Wechselt der Torhüter?

Fall Lotka: Arbeitsrechtler sieht BVB vs. Hertha im Vorteil

Der Fall Lotka wird Juristen beschäftigen. Foto: Getty Images
Der Fall Lotka wird Juristen beschäftigen. Foto: Getty Images

Hertha BSC kann sich am Samstag schon mit einem Remis den endgültigen Klassenerhalt sichern. Die Aufgabe bei Borussia Dortmund hat es allerdings in sich. Die Klubs werden im Anschluss an die Saison wohl auch in einer juristischen Auseinandersetzung aufeinandertreffen. Es geht um Marcel Lotka und einen vermeintlichen Wechsel aus Berlin ins Ruhrgebiet.

Am 01. März haben beide Klubs bekanntgemacht, dass der Torhüter nach Auslaufen seines Vertrags zum BVB gehen wird. Die Entwicklung der Ereignisse hat die Alte Dame seither aber zum Umdenken bewegt, der Verein will seine zwischenzeitliche Nr.1 doch halten und hat dahingehend wohl eine einseitige Verlängerungsklausel gezogen. Damit ist eine Situation entstanden, in der Lotka theoretisch ab 01. Juli bei zwei Klubs unter Vertrag steht. Es müsste eine richterliche Klärung erfolgen. Arbeitsrechtler Prof. Dr. Philipp S. Fischinger sieht den BVB im Vorteil, wie er dem kicker erklärt.

Vor Klärung könnte Lotka nur für Hertha spielen

Es sei unstrittig, dass Lotka einen gültigen Vertrag in Dortmund unterschrieben hat. "Bei Hertha hingegen stellt sich die Frage, ob der bisherige Vertrag überhaupt wirksam verlängert wurde", so Fischinger. Dabei stehe grundsätzlich im Zweifel, inwieweit einseitige Verlängerungsoptionen wirksam sein können, weil sie den Arbeitnehmer benachteiligen. Ein Problem dabei: "Bislang existiert keine höchstrichterliche Entscheidung durch das Bundesarbeitsgericht über einseitige Verlängerungsklauseln", erklärt Fischinger. Aus den DFL-Regularien sei klar abzuleiten, dass der BVB Lotka in der aktuellen Gemengelage nicht für den Spielbetrieb registrieren könnte. "Bis die Sache gerichtlich geklärt ist, könnte Lotka nur für Berlin, nicht aber für Dortmund auflaufen."

Muss Hertha für Lotka zahlen?

Der BVB würde sich vermutlich darauf stützen, dass Hertha durch die Verkündung des Wechsels des Keepers gewissermaßen den Verzicht auf die Ausübung der Verlängerungsoption erklärt habe. Die Alte Dame kann sich derweil darauf stützen, dass Lotka selbst inzwischen gerne in Berlin bleiben würde, weil er bei Hertha Stammspieler sein kann, in Dortmund eher für die U23 vorgesehen wäre. Ob sich die Klubs vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung einigen, bleibt abzuwarten.

Fischinger würde es wohl empfehlen: "Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung kann es lange dauern. Ein realistisches Szenario zur Vermeidung dessen wäre es meines Erachtens, dass die Hertha an Dortmund einen bestimmten Betrag zahlt, damit der BVB Herrn Lotka per Aufhebungsvertrag aus dem Arbeitsverhältnis entlässt." Dortmund würde also eine Ablöse für einen Spieler kassieren, der womöglich nie auch nur eine Trainingseinheit für den Klub absolviert hat. Der BVB dürfte derweil kaum ein Interesse daran haben, den Spieler gegen seinen ausdrücklichen Willen in Dortmund zu halten. Vermutlich wird es eine Frage des Geldes.

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Lars Pollmann  
13.05.2022