"Einer von Euch"

Wie Bastian Schweinsteiger mit einer geheimen Party den Grundstein für das Triple 2013 gelegt hat

Bastian Schweinsteiger gewann 2013 das Triple mit dem FC Bayern.
Bastian Schweinsteiger gewann 2013 das Triple mit dem FC Bayern. Foto: Getty

Der FC Bayern hat im Jahr 2013 das Triple aus deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League gewonnen. Im Anschluss wird vom besonderen Teamgeist und der beeindruckenden Mentalität der Münchner geschwärmt. Doch wie hat sich dieser Teamgeist bei der Star-Truppe entwickelt, die in der Saison zuvor auch aufgrund von Eitelkeiten in allen drei Wettbewerben nur Zweiter geworden war?

Bastian Schweinsteiger war damals Taktgeber im Mittelfeld des FC Bayern und zugleich der emotionale Leader der Mannschaft. Zu Beginn des Jahres 2013 organisierte Schweinsteiger einen besonderen Event: Seine Teamkollegen, Teile des Staffs und einige Freunde und Bekannte lud er zu einer geheimen Faschingsparty ein. Rund 200 handverlesene Gäste kamen schlussendlich ins Upside East, einer Location im Münchner Osten.

Die Party gilt unter den FC Bayern-Stars als legendär, vor allem auch deshalb, weil alle Gäste sich an diesem Abend frei und unbeobachtet von der Öffentlichkeit fühlten und tun und lassen konnten, was sie wollten.

In seiner Roman-Biografie „Einer von euch“, verfasst von Literatur-Ikone Martin Suter und veröffentlicht im Diogenes-Verlag, geht Schweinsteiger nun auf diese Party, die für den Zusammenhalt beim FC Bayern durchaus ihre Bedeutung hatte, nochmals ein. fussball.news veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Diogenes-Verlag die Passagen zur Faschingsparty aus „Einer von euch“ exklusiv:

 

„Ein Mann mit grünen, zurückgekämmten Haaren stand in Gedanken versunken an der Glasfront hoch über den Lichtern der Stadt und blickte nach Südwesten. Dort würde er bei Tag und gutem Wetter die Alpen sehen. Er trug einen roten Anzug, in dessen Hosentaschen er seine Fäuste tief vergraben hatte. In ohrenbetäubender Lautstärke lief My Doorbell von The White Stripes.

Plötzlich drehte er sich tänzerisch um die eigene Achse. Sein Gesicht war schneeweiß geschminkt. Die Augen blitzten aus schwarzen Rhomben, über denen hoch in der Stirn zwei kleine chiliförmige Augenbrauen lagen. Die Nasenspitze war blutrot, und in der gleichen Farbe grinste ein überbreiter Mund, der auf das ernste weiße Gesicht gemalt war.

Er trug ein grünes Hemd und eine gelbe Weste. Es war Joker, der entsetzliche Clown. Und niemand wusste, wer er wirklich war. In den Räumen der obersten gläsernen Etagen wimmelte es von Monstern und Bösewichten. Shrek trieb sein Unwesen, ein barocker Casanova machte den freizügig verkleideten Damen den Hof, Leatherface, der Mann mit der Kettensäge, erschreckte sie, Skelette und Vampire geisterten durch die Räume. Niemand wusste, wer wer war. Alle waren persönlich, diskret und unter dem Siegel der Verschwiegenheit eingeladen worden. Keine Presse. Keine Fotos.

Am Eingang zum Fahrstuhl verglich die Security die Gästeliste mit den Ausweisen und wies Pressevertreter ab, die doch von dem Event Wind bekommen hatten. Überall wurde gegessen und getrunken. Als die Münchner Hip-Hop-Band Blumentopf live zu spielen begann, tanzte bald die ganze gruselige Gesellschaft. Die entzückendsten Gespensterchen verführten die hässlichsten Gestalten, denn es könnten ja Bayern-Stars sein. Unbekannte knutschten miteinander. Und blieben Unbekannte.

Der Spuk dauerte bis sechs Uhr früh.

Der Letzte, der ging, war Joker. Man hätte ihn auf dem Rücksitz einer Limousine fotografieren können, die Schminke verschmiert und – sagen wir mal: sehr, sehr müde. Aber die Fotografen waren alle schon gegangen.“

Copyright: Martin Suter, "Einer von euch", Bastian Schweinsteiger, (c) 2022 Diogenes Verlag, Zürich

 

Kurz danach erzielte Bastian Schweinsteiger ein Traumtor beim 1:0-Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt. Der FC Bayern machte damit am 28. Spieltag die bis dato früheste Meisterschaft aller Zeiten perfekt. Es folgten die Titel in Champions League und DFB-Pokal – und Bastian Schweinsteiger kündigte seinen Teamkollegen an, im kommenden Jahr wieder eine Faschingsparty zu organisieren.

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Daniel Michel  
01.03.2022