Zweimaliger deutscher Meister

Ex-Profi Buck mit Kritik an NLZ: "98 Prozent fühlen sich danach als Verlierer"

Buck lief 268 Mal in der 1. Bundesliga auf, war vor allem für seine Schnelligkeit bekannt.
Buck lief 268 Mal in der 1. Bundesliga auf, war vor allem für seine Schnelligkeit bekannt. Foto: Imago Images

Andreas Buck spielte für den SC Freiburg, VfB Stuttgart, Kaiserslautern und Mainz 05. Nach seinem Karriereende erlebte er einen privaten Absturz, widmete sich im Anschluss mit der Analyse des Fußballgeschäfts.

"Karriereende, Scheidung und das finanzielle Desaster", fasste Ex-Bundesliga-Profi Andreas Buck seine Zeit nach dem Ende der aktiven Spielerkarriere 2003 zusammen. Nun hat der heute 52-Jährige sein Buch Turbo - Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft veröffentlicht. Mit der Bild führte der frühere Mittelfeldspieler, der mit dem VfB Stuttgart (1992) und dem 1. FC Kaiserslautern (1998) die deutsche Meisterschaft holte, zudem mit dem VfB DFB-Pokal-Sieger (1997) wurde, ein Interview über seine Erlebnisberichte.

"Sie opfern ihre Jugend für diesen Traum"

Buck hat sich unter anderem der kritischen Betrachtung von Nachwuchsleistungszentren gewidmet. "Weil dort aus meiner Sicht die andere Seite der Medaille zumeist nicht beleuchtet wird. Klar: Dass wir 2014 Weltmeister wurden, war bestimmt der veränderten Jugendarbeit zu verdanken. Aber 98 Prozent der dort ausgebildeten Jugendspieler werden eben kein Profi", meinte der gebürtige Schwabe und erklärte: "Die spielen vier bis fünf Jahre im NLZ und opfern ihre Jugend für diesen Traum. Zwischen 15 und 18 macht man auch jede Menge Blödsinn, zieht um die Häuser. Das fällt für die Jungs fast komplett weg. Und das holt man auch nicht mehr ein."

"Vergessen die, die durch das System fallen"

Weiter führte der 268-malige Bundesliga-Spieler aus: "Zudem fühlen sich diese 98 Prozent danach als Verlierer, weil sie nicht gut genug waren und weggeschickt werden. Und das alles in einem sehr fragilen Alter, mit 17, 18. Aber da schaut keiner drauf." Er befand: "Man sieht immer nur, dass wir Talente produzieren, Weltmeister werden. Wir feiern die Entwicklung des deutschen Fußballs, vergessen aber die, die durch das System fallen."

"Mit einem Plan B im Kopf hast du nicht den Druck"

Um eine Änderung herbeizuführen, hat Buck einen Vorschlag: "Indem in den NLZs mehr Wert darauf gelegt wird, dass man den Jungs auch einen Plan B mitgibt. Dass Fußball nicht das Allheilmittel für eine glückliche Zukunft ist. Mit einem Plan B im Kopf hast du nicht den Druck, dass du mit dem Plan A unbedingt performen musst", schilderte er.

"Es ist Wahnsinn in dem Alter"

Der 52-Jährige "glaube auch nicht, dass dieser Druck, den sie sich selbst machen und teilweise auch von den Eltern erfahren, förderlich ist. Fußball soll Spaß machen, Freude vermitteln und nicht zur Belastung werden. Für viele Familien soll der Junge aber die finanzielle Basis für eine goldene Zukunft sein. Er muss es schaffen." Für Buck ist das "Wahnsinn in dem Alter. Die Jungs sollen reifen, zu selbständigen Menschen erzogen werden. Im NLZ aber wird Dir alles abgenommen. Das ist nicht gut. Für meinen Sohn hätte ich jedenfalls schwerste Bedenken, wenn er irgendwann das Zeug dazu hätte und die Anfrage kommen würde."

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Adrian Kuehnel  
20.11.2020