Viel Jugend, viel Erfahrung

Von Atubolu bis Zetterer: Die Ersatztorhüter der Bundesliga-Klubs

Ulreich hat nicht das uneingeschränkte Vertrauen der Bayern-Bosse. Foto: Getty Images
Ulreich hat nicht das uneingeschränkte Vertrauen der Bayern-Bosse. Foto: Getty Images

In der Bundesliga sind etwas mehr als 500 Spieler Teil eines der 18 Aufgebote der Klubs. All diese Profis leben ein privilegiertes Leben. Das Dasein mancher Kicker hat freilich dennoch seine Schattenseiten. Nicht zuletzt trifft das auf die Ersatztorhüter zu. Die Nr.2 zu sein, das kann ein sehr undankbarer Job sein.

Im Zweifel sitzt man monatelang auf der Bank, muss dann von einem auf den anderen Moment hellwach sein und wird schnell zum Sündenbock, wenn ohne jede Spielpraxis etwas schiefgeht. Nur selten stehen die Schattenmänner im Fokus der Öffentlichkeit. Im Zuge des Saisonaus' von Manuel Neuer beim FC Bayern ist Sven Ulreich auch nur kurzzeitig ins Scheinwerferlicht geraten. Der Klub hat die Idee schnell verworfen, dem Routinier für die verbleibende Saison das Vertrauen zu schenken und will unbedingt Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach loseisen.

Ulreich vorab demontiert

Offenbar trauen die Verantwortlichen Ulreich nicht zu, in allen drei Wettbewerben auf höchstem Niveau zu performen. Die Frage mag gestattet sein, warum er dann als Backup des 36-jährigen und schon öfters verletzten Neuer in die Saison gehen durfte. Besonders spannend würde es, sollte die Verpflichtung von Sommer scheitern und auch sonst kein Ersatz für den Kapitän kommen. Ulreich wäre notgedrungen ein Stammtorwart, den der Klub vorab aber schon demontiert hätte. Fast wäre ihm wohl zu wünschen, dass es mit Sommer doch noch klappt.

Gladbach hat zwei Ersatzmänner auf einem Level

Ob das der Fall sein wird, hängt dem Vernehmen nach von zwei Faktoren ab: Das Geld für die Fohlen muss stimmen und sie müssen einen adäquaten Ersatz für den Rest der Saison finden. Denn auch am Niederrhein geht das Vertrauen in die Ersatzleute nicht so weit, als dass ihnen unumwunden zugetraut würde, bis Sommer zwischen den Pfosten zu stehen. Routinier Tobias Sippel und Talent Jan Olschowsky streiten wohl eher darum, wer hinter Sommer oder einem möglichen Ersatz die Nr. 2 sein darf. Bei den wenigsten Klubs in der Bundesliga wird den zweiten Torhütern uneingeschränktes Vertrauen entgegengebracht. fussball.news gibt einen Überblick über die Ersatzmänner der 18 Klubs.

FC Bayern: Sven Ulreich, 34

Insgesamt 86 Pflichtspiele für den Klub, 8 in der laufenden Saison

Ginge es nur um die Bundesliga und den DFB-Pokal, würde der Rekordmeister wohl auf Ulreich setzen. Für die Duelle in der Champions League mit Paris Saint-Germain reicht das Vertrauen aber nicht aus.

SC Freiburg: Noah Atubolu, 20

Insgesamt 2 Pflichtspiele für den Klub, beide in der laufenden Saison

Der Juniorennationalspieler steht seltener im Spieltagskader als Benjamin Uphoff, hat aber die beiden einzigen Spiele gemacht, in denen Mark Flekken fehlte. Atubolu gilt als eines der größten Torwarttalente Deutschlands.

RB Leipzig: Janis Blaswich, 31

Insgesamt 14 Pflichtspiele für den Klub, alle in der laufenden Saison

Durch den Kreuzbandriss von Peter Gulacsi ist Blaswich bereits zum Stammspieler geworden. Dass es keine Gerüchte über hochkarätigen Ersatz gibt, spricht für das Vertrauen in ihn.

Eintracht Frankfurt: Diant Ramaj, 21

Insgesamt 1 Pflichtspiel für den Klub, keines in der laufenden Saison

Kevin Trapp ist ein Allesspieler bei den Hessen, weswegen der Ernstfall diese Saison nicht geprobt wurde. Ramaj hat im Winter Top-Talent Simon Simoni als neuen Konkurrenten erhalten.

Union Berlin: Lennart Grill, 23

Insgesamt sechs Pflichtspiele für den Klub, alle in der laufenden Saison

Die Leihgabe von Bayer Leverkusen hat zum Jahresende mehrfach Frederik Rönnow vertreten, erwischte ausgerechnet gegen die Werkself einen rabenschwarzen Tag.

Borussia Dortmund: Alexander Meyer, 31

Insgesamt acht Pflichtspiele für den Klub, alle in der laufenden Saison

Vor der Saison aus der 2. Liga gekommen, hat Meyer gleich in der Champions League debütiert. Blieb nicht fehlerfrei, genießt aber das Vertrauen des Trainerstabs und gilt als ruhiger Zeitgenosse als idealtypische Lösung.

VfL Wolfsburg: Pavao Pervan, 35

Insgesamt 34 Pflichtspiele für den Klub, keines in der laufenden Saison

Der Österreicher hat Koen Casteels in der Vergangenheit zumeist solide vertreten und stellt als einer der ältesten Profis im Klub eine gewissermaßen klassische Nr. 2 dar.

Borussia Mönchengladbach: Tobias Sippel, 34

Insgesamt 22 Pflichtspiele für den Klub, 4 in der laufenden Saison

Mit nur 22 Spielen in siebeneinhalb Jahren ist Sippel nicht mit sonderlich viel Spielpraxis ausgestattet. Ob er oder Olschowsky in der weiteren Saison auf der Bank sitzt, wird spannend zu beobachten sein.

Werder Bremen: Michael Zetterer, 27

Insgesamt 13 Pflichtspiele für den Klub, 1 in der laufenden Saison

In der Aufstiegssaison war der Münchner kurzzeitig vor Jiri Pavlenka, der ihn aber klar verdrängt hat. Der Münchner ist acht Jahre bei Werder, der endgültige Durchbruch ist wohl nicht mehr realistisch.

FSV Mainz 05: Finn Dahmen, 24

Insgesamt sechs Pflichtspiele für den Klub, 1 in der laufenden Saison

Das Eigengewächs gilt an sich als Top-Talent, das aber hinter Robin Zentner nicht vorankommt. Dahmen ist wohl ein Kandidat, anderswo Stammtorwart zu werden.

TSG Hoffenheim: Luca Philipp, 22

Insgesamt noch ohne Pflichtspiele für den Klub

Weil Oliver Baumann diese Saison noch nicht gefehlt hat, ist unklar, wer ihn vertreten würde. Philipp saß am öftesten am Spieltag auf der Bank.

Bayer Leverkusen: Andrey Lunev, 31

Insgesamt drei Pflichtspiele für den Klub, 1 in der laufenden Saison

Der ehemalige russische Nationalkeeper hat trotz einer Saison mit vielen Schwächen von Lukas Hradecky offenbar keine Chance, den Finnen aus dem Kasten zu verdrängen.

1.FC Köln: Timo Horn, 29

Insgesamt 329 Pflichtspiele für den Klub, 1 in der laufenden Saison

Nach über einem Jahrzehnt als Stammkraft verlor Horn den Platz an Marvin Schwäbe, der besser zum Spielstil von Steffen Baumgart passt. Ein Abschied im Sommer ist wohl vorprogrammiert, mutmaßlich ins Ausland.

FC Augsburg: Tomas Koubek, 30

Insgesamt 30 Pflichtspiele für den Klub, 5 in der laufenden Saison

Der 2019 7,5 Mio. Euro teure Tscheche ist einer der teuersten Torwart-Flops der Bundesliga. Ob er im Sommer eine Chance bekommt, wenn Rafal Gikiewicz vermutlich gehen wird, ist fraglich.

Hertha BSC: Tjark Ernst, 19

Insgesamt noch ohne Pflichtspiele für den Klub

Die Alte Dame setzt auf die jüngsten Torhüter der Liga. Oliver Christensen ist mit 23 Stammkeeper, hinter ihm sitzt zumeist Ernst auf der Bank. Der U20-Nationalspieler wartet aufs Profidebüt.

VfB Stuttgart: Fabian Bredlow, 27

Insgesamt 18 Pflichtspiele für den Klub, 2 in der laufenden Saison

Bredlow gilt seit 2019 als verlässliche Nr.2 bei den Schwaben. Stammspieler Florian Müller hat beim VfB aber auch schon manche Angriffsfläche geboten, die ein Ersatzmann womöglich hätte nutzen können.

VfL Bochum: Michael Esser, 35

Insgesamt 29 Pflichtspiele für den Klub, keines in der laufenden Saison

Der Routinier ist nach dem Aufstieg zu seinem Ex-Klub zurückgekehrt, hinter Manuel Riemann bietet er ein zuverlässiges Paar Hände. Esser verletzte sich im Trainingslager und könnte so Marko Johansson zur Nr. 2 machen.

FC Schalke 04: Ralf Fährmann, 34

Insgesamt 267 Pflichtspiele für den Klub, keines in der laufenden Saison

Neben Horn und Ulreich ist Fährmann sicher der erfahrenste und prominenteste Ersatzkeeper der Liga. Der Ex-Kapitän hofft auf Schalke im offenen Zweikampf mit Alexander Schwolow auf seine Chance.

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Lars Pollmann  
10.01.2023