Hoffenheim mit großem Interesse

Eintrachts Pokalheld vor Abgang: Warum ein Gacinovic-Wechsel Sinn macht

Mijat Gacinovic steckt nach fünf Jahren bei der Eintracht in einer Sackgasse und will sich wohl verändern. Foto: Getty Images

Seit Tagen spaltet ein Thema Umfeld und Fans von Eintracht Frankfurt: Der drohende Abgang von Pokalheld Mijat Gacinovic wird äußerst kritisch beäugt, ist der Serbe doch ein Sympathieträger bei den Hessen. Doch vor allem für ihn persönlich könnte ein Transfer durchaus Sinn machen.

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Müsste man die bisherige Karriere von Mijat Gacinovic in einem Bild beschreiben, wäre es wohl dieser eine Lauf im Mai 2018 im Berliner Olympiastadion, als der Offensivspieler von Eintracht Frankfurt im Pokalfinale gegen den großen FC Bayern München mit seinem 3:1 die Schlusspointe an einem historischen Abend setzte. Seitdem ist der 25-Jährige in Frankfurt so ziemlich unsterblich. Schon sein wichtiger Treffer im Hinspiel und seine Vorlage im Rückspiel in der Relegation 2016 sicherten ihm Sympathien und den Frankfurtern den Klassenerhalt.

 

Für mich macht ein Tausch Gacinovic/Zuber - so emotional schwierig er auch ist - für die @Eintracht durchaus Sinn: #Gacinovic war zuletzt nicht torgefährlich, mit Barkok hat man einen ähnlichen, hoffnungsvollen Spiertyp, ... #sge (1/x)

— TM (@acronym_tm) August 2, 2020

 

Unter Kovac zum Stammspieler

Es sollten damals seine ersten Scorerpunkte für die Hessen werden. In der Bundesligasaison zuvor kam er unter dem damaligen Coach Armin Veh seit seinem Wechsel im Sommer 2015 von FK Novi Sad (1,25 Millionen Euro Ablöse) nur zu sieben Einsätzen, ohne an einem Tor beteiligt gewesen zu sein. In der Relegation setzte der im März gekommene Trainer Niko Kovac auf den Serben, wusste ihn, auch weil sie sich sprachlich verstanden, zu kitzeln und zu motivieren. In der Folgesaison war Gacinovic unter dem Kroaten Stammspieler, wurde vom Flügel in die Zentrale beordert, kam auf 28 Einsätze in der Liga und auch in allen Pokalpartien bis zum Finale zum Einsatz. Manko schon damals: Die fehlende Effektivität. Drei Scorerpunkte in 34 Pflichtspielen sprechen für sich.

 

Gacinovic ist eine der großen Identifikationen für mich. Einer der Religation, Pokalsieg und Europa mitgemacht hat. Würde mir das Herz brechen!

— Emilio284 (@eZemilio284) August 1, 2020

 

Unter Hütter immer weniger gefragt

Insgesamt kommt Gacinovic für die Eintracht auf nur elf Scorerpunkte in 116 Bundesligaspielen. Für einen Offensivspieler ist das schlichtweg zu wenig. Und dennoch zeichnete sich der Nationalspieler vor allem für das bei den Hessen stets geforderte Pressingspiel als immens wichtig, fehlenden Einsatz konnte man ihm nie absprechen. Unter Trainer Adi Hütter wurde er aber immer mehr zum Teilzeitarbeiter, 2018/19 stand er in der Liga nur noch 16-mal in der Startelf, präsentierte sich dafür allerdings in der Europa League (14 Einsätze, zwei Tore, sieben Vorlagen) in Topform. Der endgültige Knick folgte dann aber in der vergangenen Saison, in der Gacinovic trotz langer Dreifachbelastung nur 18-mal in der Startelf stand, als Zehner lief ihm der Japaner Daichi Kamada den Rang ab, auf der Acht waren meist andere gefragt, allen voran Sebastian Rode und Djibril Sow. Das wird in der kommenden Saison nicht groß anders sein, weshalb die Eintracht einen Abgang rein sportlich verkraften kann. Im Team ist der Mittelfeldspieler allerdings unumstritten, beliebt, mittlerweile auch als Führungsspieler anerkannt und vor allem für die "Balkan-Fraktion" um Filip Kostic und Dejan Joveljic extrem wichtig.

 

Aus #SGE-Sicht verständlich, nicht auf einen Verbleib zu pochen. 1 Scorerpunkt in der vergangenen Saison, der letzte Bundesligatreffer im Dezember 17 - das können auch die guten EL-Leistungen 18/19 nicht mehr ausgleichen. Der nächste Schritt - Gacinovic hat ihn verpasst. (3/x)

— Christopher Michel (@CMoffiziell) August 2, 2020

 

Neustart in Hoffenheim als Chance?

Die fehlende Effizienz (letztes Bundesligator im Dezember 2017) und die immer wieder falsch getroffenen Entscheidungen im letzten Drittel wurden dem Pokalhelden aber zum Verhängnis. In Frankfurt steckte er zuletzt in einer Art Komfortzone, entwickelte sich unter Trainer Adi Hütter nicht mehr weiter, auch weil er als Spielertyp starkes Vertrauen spüren muss, was er unter dem Österreicher nicht mehr tat. In Hoffenheim hingegen will man ihn unbedingt, der neue Trainer Sebastian Hoeneß machte sich intern stark für einen Transfer, will die Stärken Gacinovics für den eigenen Spielstil nutzen. Der Serbe könnte nach fünf Jahren Frankfurt möglicherweise im Kraichgau in einem beschaulichen Umfeld den nächsten Schritt machen. Das wiederum ärgert die Fans, würden sie jenen Schritt ihres Spielers doch gerne in Frankfurt sehen. Manchmal allerdings braucht es trotz aller Emotionalität neue Impulse, damit dieser überhaupt gelingt. Und ein kleiner Trost für den Anhang: Bei einem Wechsel zur TSG könnte Gacinovic wohl immerhin in der Rhein-Main-Metropole wohnen bleiben.

 

❗️Eilmeldung: Lucas Torró & Mijat Gacinovic sind vom Testspiel der #Eintracht heute freigestellt. Torró weilt schon in Osasuna, Gacinovic steht in Verhandlungen mit der @tsghoffenheim und soll tatsächlich im Tausch gegen Steven Zuber wechseln.#sge #Transfers #transfermarkt #tsg

— Benjamin Heinrich (@BennyHeinrich) August 1, 2020
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Benjamin Heinrich  
02.08.2020