Medien-Hickhack um Nationaltorhüter

Vereinswechsel? Warum Trapps Instagrampost unterbewertet wird

Kevin Trapp beherrscht derzeit die Gerüchte rund um Eintracht Frankfurt.
Kevin Trapp beherrscht derzeit die Gerüchte rund um Eintracht Frankfurt. Foto: Getty Images

Vor einem Jahr noch umjubelter Neuzugang - und ein Jahr später Verkaufskandidat Nummer eins? Es ist eine merkwürdige Entwicklung rund um Kevin Trapp bei Eintracht Frankfurt. Dabei hat der Schlussmann auf Instagram ein deutliches Statement gesetzt.

Als Sportvorstand Fredi Bobic nach dem Abpfiff der letzten Bundesligapartie eine ausführliche Pressekonferenz abhielt, gingen die Sätze rund um Kevin Trapp beinahe noch unter. Auch dessen Zukunft bei Eintracht Frankfurt, so konnte man spitzfindig zwischen den Zeilen durchklingen hören, war noch offen. Bild titelte sogleich: "Eintracht unter Finanzdruck: Will Bobic sogar Trapp verkaufen?" Seitdem vergeht kaum eine Ausgabe ohne Aussagen zu dem Schlussmann.

Erst Bobic - dann Steubing - dann wieder Bobic

Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing legte in der Bild-Zeitung nach. Auf die Frage, ob Filip Kostic und Trapp unverkäuflich seien, sagte der 70-Jährige: "Nein. Auch ein Verkauf von Kostic oder Trapp schließe ich nicht aus. Weil die Marktlage schwierig ist." Ebenfalls bei Bild folgte Tage später ein leichtes Dementi von Bobic: "Kevin Trapp habe ich nicht auf den Markt geschmissen. Wir sind nicht unzufrieden, er ist unsere Nummer eins." Einen richtigen Torwartmarkt gebe es derzeit nicht, aber: "Wir wissen, dass Spieler wie Kevin immer begehrt sind."

Unruhe im Eintracht-Umfeld

Es dauerte nicht lange, bis bei hessenschau.de und der Frankfurter Rundschau die ersten Pro- und Contra-Diskussionen rund um Trapp folgten, auch der Video-Podcast Fussball 2000 thematisierte die Causa Trapp. Die noch ausstehende Europa League-Partie beim FC Basel rückt völlig in den Hintergrund, auch der kommende Woche startende Vorbereitungsbeginn. Alles fokussiert sich auf Trapp.

Betis Sevilla oder Hertha als neue Arbeitgeber?

Weiter ging es am vergangenen Mittwoch bei Sport Bild. Plötzlich suche der Torhüter, der sich zu den ganzen Gerüchten noch gar nicht geäußert habe, einen neuen Klub. Neben der vom kicker ins Spiel gebrachten Hertha soll plötzlich auch Real Betis Sevilla, ein spanischer Mittelfeldverein, um ihn buhlen. Sky hingegen meldet, dass es nach Berlin noch überhaupt keinen Kontakt gegeben habe.

Trapps Instagram-Statement geht unter

Völlig unter geht ein in dieser Diskussion ausnahmsweise aussagekräfter Aspekt auf Instagram. Unter den Bildern zu den neuen Trikots der Eintracht postete Trapp plötzlich: "Freue mich schon auf die Torwart-Trikots" und versah seinen Kommentar noch mit einem "Feuer"-Emoticon. Kritiker warfen sofort ein, dass Ante Rebic ein Jahr zuvor das Wappen geküsst und den Verein trotzdem verlassen habe, zudem hat das von Ex-Coach geflügelte "Stand jetzt" sich tief eingeprägt. Doch wer Trapp näher kennengelernt hat und um dessen Identifikation mit dem Klub weiß, der kennt auch die Bedeutung eines solchen Postings. Unabhängig davon, ob bis zum 5. Oktober noch etwas auf dem Transfermarkt passieren kann, ist dies für den Moment ein deutliches Statement!

Schwierige Saison 2019/20

Trapp ist intelligent und sensibel. Im Gegensatz zu Profifußballern im Teenageralter weiß er genau, welche Wucht er mit diesen Worten erzeugt und wie tief der Fall ist, wenn er plötzlich eine Woche später weg wäre. Es ist eine klare Botschaft, ein echtes Bekenntnis: "Leute, schaut her - ich bin noch da und bleibe es auch!" Was vergessen wird in den hitzigen Diskussionen: Der Schlussmann hatte eine schwierige Spielzeit 2019/20 hinter sich. Im September verletzte er sich in der allerletzten Aktion bei Union Berlin (2:1) schwer an der Schulter, fiel die komplette Hinserie aus und musste zusehen, wie Vertreter Frederik Rönnow performte.

Polarisieren die Instagram-Posts?

Nach seiner Rückkehr verlor Trapp mit Torwarttrainer Manfred "Moppes" Petz den Mann seines Vertrauens. Nachfolger Jan Zimmermann ist ein sehr guter Freund von Rönnow, eine aus Sicht von Trapp natürlich unglückliche Situation. Das scharfe, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckte, Interview mit Rönnow war der nächste Schlag für den dritten Torhüter der Nationalmannschaft: Er sei eben ein Gesicht des Vereins, das Leistungsprinzip spiele im Grunde keine Rolle. Da Trapp insgesamt die hohen Erwartungen nicht erfüllte, zwar ordentlich, aber nicht spektakulär hielt, fielen diese Worte im Umfeld auf fruchtbaren Boden. Trapps Auftreten auf Instagram polarisiert, glamouröses Verhalten mit akrobatischen Turneinlagen mit seiner Verlobten, dem Topmodel Izabel Goulart, am Strand und Sprache Nummer X lernend in der Coronakrise findet in Frankfurt weniger Anklang als das Bier in der Sauna mit Ex-Keeper Lukas Hradecky oder der Grillabend mit Ante Rebic und Co in einem Frankfurter Hinterhof.

Stein legt nach - Berthold verteilt das Preisschild

Ex-Profi Uli Stein legte nun bei Bild wiederum nach und kritisierte Trapp deshalb: "Es ist ihm wohl wichtiger, mit der Freundin auf den Social-Media-Kanälen aktiv zu sein. Ich habe gehört, der AC Mailand hat Interesse. Gut so, das ist eine Schiki-Micki-Stadt, da passt er mit Freundin gut hin." Das Preisschild gab es von Bild-Kolumnist Thomas Berthold, sieben Millionen Euro sollten es doch mindestens sein.

Eine Diskussion, die nicht weiterhilft

Und die Eintracht? Die schweigt plötzlich. Dabei helfen diese Diskussionen kaum weiter. Trapp kam vor einem Jahr als Gesicht des Traditionsklubs für rund sieben Millionen Euro von Paris Saint-Germain zurück, er unterschrieb einen langfristigen Vertrag. Natürlich hat die Coronakrise für eine neue Ausgangslage gesorgt und freilich gilt es in diesen wirtschaftlich schwierigeren Zeiten, den Spieler-Etat etwas zu kürzen. Die Frankfurter betonten aber auch, keinen Profi unbedingt abgeben zu müssen. Würde ein Verkauf des Schlussmannes wirklich weiterhelfen? Er kassiert zwar geschätzt vier Millionen Euro Jahresgehalt, doch mit den Einnahmen könnten die Lücken im Kader wohl kaum geschlossen werden. Trapp ist nicht nur auf dem Platz als Führungsspieler - nach den Karriereenden von Marco Russ und Gelson Fernandes umso mehr - wichtig, sondern auch neben dem Feld. Publikumsliebling, Anwärter auf die Kapitänsbinde, Nationaltorhüter, 265 Pflichtspiele für die Eintracht und Ex-Klub Paris Saint-Germain gesammelt. Möglicherweise setzte Trainer Adi Hütter den Gerüchten in diesem inzwischen vier Wochen andauerndem Sommerloch zeitnah ein Stoppschild vor.

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Christopher Michel  
24.07.2020