Ex-Wolfsburg-Trainer

Eintracht-Coach: Darum fiel Krösches Wahl auf Glasner

Oliver Glasner ist der neue Trainer von Eintracht Frankfurt. Foto: Imago

Eintracht Frankfurt hat den Nachfolger für Trainer Adi Hütter gefunden. Mit Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg kommt ein bekanntes Gesicht an den Main, der entgegen dem zunächst angestrebten Profil auch schon über einige Bundesliga-Erfahrung verfügt. In dieser Phase bei den Hessen ist er dennoch eine logische Verpflichtung.

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Lange waren bei Eintracht Frankfurt für den Trainerposten zur kommenden Saison auch Bundesliga-"Rookies" im Gespräch. Gerardo Seoane von den Young Boys Bern, der besonders heiß gehandelt wurde, zog es letztlich zu Bayer Leverkusen. Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg war schon früh ein Thema für die Nachfolge von Adi Hütter, die Personalie allerdings wurde von Vorstandsmitglied Oliver Frankenbach und Direktor Profifußball Ben Manga, die die Trainersuche interimsweise leiteten, zwischenzeitlich auf Eis gelegt. Mit der Verpflichtung von Markus Krösche als Sportvorstand nahm diese dann wieder Fahrt auf. Für den 40-Jährigen, der von RB Leipzig zu den Hessen wechselte, war Glasner bereits früh der Wunschkandidat. Mögliche Vorbehalte durch die Zwietracht in Wolfsburg mit Manager Jörg Schmadtke wurden schnell ausgeräumt. Alle Parteien legten aber Wert darauf, dass der Wechsel erst nach der Bundesliga-Saison konkretisiert wird. Die Vorstellung des Österreichers wird Krösche nach seinem offiziellen Amtsantritt am 1. Juni dann auch übernehmen.

Glasner ist Teil des Umbruchs und muss ihm managen

Glasner ist in der Bundesliga kein Unbekannter, hat bereits zwei Jahre durchaus erfolgreich beim VfL Wolfsburg (87 Spiele, Punkteschnitt 1,67) gearbeitet, die Niedersachsen zuletzt trotz der Gerüchte um seine Person erfolgreich in die Champions League geführt. Das Kriterium "Bundesliga-Neuling" ist in der Trainersuche bei der Eintracht zuletzt immer weiter aus dem Fokus gerückt, da die Fluktuation bei den Verantwortlichen in den vergangenen Wochen zugenommen hat. Neben Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Adi Hütter verließen auch weitere Mitglieder aus dem Staff den Verein. In der sportlichen Führung steht, mit Ausnahme von Ben Manga, ein kompletter Neuanfang an. Deshalb war es Krösche wichtig, einen Trainer zu verpflichten, der einerseits diesen Umbruch managen kann, andererseits aber auch Erfahrung in der Bundesliga mitbringt und den Faktor Dreifachbelastung kennt, um die entsprechende Stabilität in der kommenden Europa League-Saison zu verkörpern. 

Stichelei gegen Hütter

Dabei nahmen die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt auch in Kauf, dass Glasner ebenfalls wie Vorgänger Hütter ein Trainertyp ist, der weniger über die Emotionalisierung des Umfelds kommt. Dem 46-Jährigen wird aber intern durchaus zugetraut, sich dahingehend weiterzuentwickeln. In Wolfsburg taute der gebürtige Salzburger zuletzt auch medial immer mehr auf. Durch seinen Seitenhieb in Richtung Hütter, als er auf einer Pressekonferenz des VfL zu einem Treuebekenntnis befragt wurde und er mit einem "So wie Adi Hütter?" entgegnete, gewann er schon vor seiner Verpflichtung im Frankfurter Umfeld Sympathien. Zwei Tage zuvor wurde der Hütter-Wechsel zu Borussia Mönchengladbach offiziell, obwohl der 51-Jährige Wochen zuvor gesagt hatte: "Ich bleibe". 

Glasner steht für Stabilität 

Glasners fachliche Kompetenzen und seine Qualitäten in Sachen Menschenführung innerhalb des Teams waren in Wolfsburg und zuvor beim LASK in Linz ohnehin unbestritten. Die Wahl des  Österreichers ist letztlich ein nötig gewordener Kompromiss, der den Frankfurtern in der aktuellen Konstellation gut zu Gesicht steht. Glasner bringt die nötige Erfahrung mit, die positive Entwicklung der Eintracht in den letzten Jahren trotz des Umbruchs fortzuführen und gleichzeitig eine Entwicklungsfähigkeit, um mit der Eintracht gemeinsam weiter wachsen zu können. Glasner ist eine äußerst "stabile" Lösung, die den Frankfurtern zudem nach Jahren des attraktiven "Chaos-Fußballs" unter Hütter nun auch taktisch den nächsten Schritt bescheren könnte. Der ehemalige Innenverteidiger hat zudem bei den Wölfen bewiesen, dass er Spieler individuell besser machen kann. Dass die Eintracht bei der Verpflichtung wohl nur eine Ablöse von unter zwei Millionen Euro nach Wolfsburg überweisen muss, nachdem Hütter für 7,5 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach gewechselt war, nehmen die Hessen als zusätzliches "Schmankerl" obendrauf wohl sehr gerne mit.

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Benjamin Heinrich  
26.05.2021