Bis 2023 gebunden

Diese 5 Punkte haben für die Hütter-Verlängerung gesprochen

Adi Hütter hat mit der Eintracht in zwei Spielzeiten 99 Punkte gesammelt.
Adi Hütter hat mit der Eintracht in zwei Spielzeiten 99 Punkte gesammelt. Foto: Getty Images

Adi Hütter hat seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt bis 2023 verlängert. Es war ein folgerichtiger Schritt, diese fünf Punkte haben für das weitere Engagement des Trainers gesprochen.

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Es hat ein paar Tage länger gedauert als gedacht, doch noch vor Saisonstart ist die Vertragsverlängerung von Adi Hütter bei Eintracht Frankfurt perfekt. Der Coach hat seinen bis 2021 laufenden Kontrakt um zwei weitere Jahre bis 2023 erweitert und sich bewusst für einen Verbleib bei den Hessen entschieden. Es gibt Gründe, die für diesen Schritt sprechen.

1.) Hütter kann Krisen meistern

Die Mannschaft von Eintracht Frankfurt bietet im Bundesliga-Wettbewerb inzwischen zwar ordentliche Qualität, doch natürlich wird ein Coach der Hessen im Normalfall keine 70 oder 80 Punkte sammeln. Im Gegenteil: Negativserien sind nicht ausgeschlossen, Hütter musste in seinen zwei Jahren bei der Eintracht vier solcher unangenehmen Phasen managen. Dies ist ihm gelungen, der Österreicher kann also Krisensituationen meistern und an den richtigen Stellschrauben drehen. So stellte Hütter nach nur einem Punkt aus sieben Spielen in der vergangenen Winterpause auf Viererkette um, holte zehn wichtige Zähler, um dann nach dem Re-Start die zuvor erfolgreiche Dreierkette auszupacken und den Klub souverän zum Klassenerhalt zu führen. Es sind wertvolle Erfahrungen, aus denen Hütter auch in Zukunft schöpfen kann.

2.) Hütter hat das Vertrauen der Verantwortlichen

0:4 bei Borussia Dortmund, 1:2 gegen Union Berlin, 0:4 bei Bayer Leverkusen, 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach und 2:5 beim FC Bayern München: Im Mai 2020 rutschten die Frankfurter immer näher an die Abstiegsränge heran, die Unruhe im Umfeld wurde größer. Doch die Verantwortlichen blieben ruhig und suchten gemeinsam mit Hütter Lösungen. Nach fussball.news-Informationen rückte Sportvorstand Fredi Bobic nach der Pleite in München näher an Trainer und Team heran und hielt so die eigenen Reihen geschlossen. "Auch wenn es mal rumort hat, war das Vertrauen da", betonte Hütter. Man sei auch "gemeinsam durch das tiefe Tal gegangenen" und habe dabei "Geduld und Ruhe" ausgestrahlt.

3.) Hütter hat "Hunger"

Es war der Begriff der Spielzeit 2018/19 gewesen: Hunger! Phasenweise ist das Team von Sieg zu Sieg gerannt und hat den Gegnern mit der Büffelherde Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic keine Chance gelassen. "Meine Mannschaft ist hungrig", hatte Hütter stets betont. Genau dies trifft auch auf den ehemaligen Profi zu, der in rund zwei Jahren bei den Hessen 105 (!) Pflichtspiele miterlebte. Bobic schwärmte von dieser Eigenschaft des Österreichers: "Er hat diesen Hunger, immer wieder gewinnen zu wollen. Das ist nach Niederlagen nicht so einfach. Doch Adi Hütter will immer wieder Siege einfahren, er ist nicht zufrieden, wenn die Partie Unentschieden ausging. Diese Eigenschaft begeistert mich immer wieder."

4.) Hütter liebt Emotionen

Wenn Hütter über die Fans von Eintracht Frankfurt spricht, dann gerät er auf seine ruhige Art und Weise stets in eine gewisse Euphorie. "Mir gefällt es, wie hier Emotionen gelebt werden. Die Eintracht ist ein Traditionsverein. Ich habe das Gefühl, dass unsere Fans immer da sind und uns voll unterstützen", freute sich der Cheftrainer der Hessen. Doch der Anhang kommt nicht nur gut bei Hütter an - Hütter kommt auch gut beim Anhang an. Die Fans fühlen ihren Verein bestens repräsentiert, der Vorarlberger bringt die richtige Mischung mit: Ein Realist, der keine übertriebenen Ziele ausruft und diese mit akribischer Arbeit erreichen möchte. Zudem gefiel den Anhängern der Moment, als ihm im Europa League-Achtelfinale gegen Inter Mailand nach einer Fehlentscheidung die Gäule durchgingen und die Flasche nach einem Tritt umherflog. Die UEFA wurde für die Strafe kritisiert, Hütter wirkte für den Anhang anschließend noch nahbarer.

5.) Hütter geht erst, wenn er seine Ziele erreicht hat

Ist die Verlängerung des Vertrags nur dafür da, damit am Ende noch etwas Geld für ihn erzielt werden kann bei einem Abgang in einem Jahr? Natürlich ist das Business bestens bekannt: Wenn der FC Bayern München, Real Madrid, Manchester United oder Juventus Turin anklopfen, dann werden Trainer ins Grübeln kommen. Und doch ist Hütter auch dann nicht der Mensch, der sofort wechselt. Wenn Hütter das Gefühl bekommt, er ist an seinem Ziel angekommen, dann geht er den nächsten Schritt. Wie sich dieses Ziel in Frankfurt definiert? Unklar. Ist es die Teilnahme an der Champions League? Sieht Hütter mit einem Titelgewinn das Maximum erreicht? Oder nimmt er die Rolle als "Entwicklungstrainer", wie er sich nach fussball.news-Informationen selbst bezeichnet, voll an? Dann könnten er und die weiterhin aufstrebenden (und durch Corona aber etwas ausgebremsten) Frankfurter auch in Zukunft ein perfektes Match ergeben.

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Christopher Michel  
03.09.2020