Ex-Sportvorstand

Zu Gast bei der Eintracht: Die Rückkehr von Erfolgsmensch Bobic

Fredi Bobic kehrt erstmals zurück nach Frankfurt. Foto: Getty Images

Am Ende war es eine Trennung mit Schmerzen. Der ganz große Rosenkrieg blieb zwar aus, als Fredi Bobic im vergangenen Sommer Eintracht Frankfurt verließ, doch auch Monate später wird im Umfeld der Hessen Unmut empfunden beim Gedanken an den geräuschvollen Abgang. Dabei hat der 49-Jährige ein nach wie vor beachtliches Erbe hinterlassen. 

2016 trat Fredi Bobic den Posten des Sportvorstands bei Eintracht Frankfurt an. Der ehemalige Stürmer hatte zuvor kein einfaches Ende beim VfB Stuttgart gehabt und doch überzeugte er den damaligen Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing. Der sollte mit seiner Entscheidung für Bobic, die im Umfeld auf nur wenig Gegenliebe stieß, recht behalten. Nach dem Fast-Abstieg 2016 folgte das DFB-Pokalfinale 2017, ein Jahr später sogar der Sieg im Finale gegen den FC Bayern München - Frankfurts erster Titelgewinn nach 30 Jahren. Anschließend tourten die Hessen noch durch Europa und scheiteten erst im Halbfinale der Europa League am FC Chelsea. Es sollten die besten Jahre der jüngeren Vereinsgeschichte werden. 

Eintracht in der oberen Tabellenhälfte etabliert 

Im Blickpunkt dabei: Sportboss Fredi Bobic, der gemeinsam mit Sportdirektor Bruno Hübner und Chefscout Ben Manga Jahr für Jahr Umbrüche meisterte. Dabei schreckte der Europameister von 1996 auch nicht davor zurück mit Weltklubs wie Real Madrid oder dem AC Mailand zu verhandeln, zeigte dort seine großen Stärken als knallharter Verhandlungspartner. Im Klub war Bobic nur bedingt auf Sympathien aus, dem Erfolg ordnete der gebürtige Slowene alles unter. Ambitionen, die der hessische Traditionsverein dringend benötigte, um aus dem Niemandsland der Bundesliga und der zementierten Tabelle auszubrechen, die Bobics Vorgänger Heribert Bruchhagen Jahr für Jahr gepredigt hatte. Die Eintracht gehört wirtschaftlich mittlerweile zu den Top 6-Klubs der Bundesliga.

Neue Aufgabe bei Hertha BSC

Und doch sind es weniger die Erfolge, die bei den Frankfurter Anhängern im Gedächtnis sind, wenn Bobic am Samstag (15:30 Uhr) mit seinem neuen Klub Hertha BSC zurück nach Frankfurt kommt. In der Bundeshauptstadt, wo der Manager auch zur Frankfurter Zeiten seinen Hauptwohnsitz hatte, ist er nun der neue starke Mann, nachdem Carsten Schmidt sein Amt als Klub-Boss niedergelegt hat. Die Last des "Big City Clubs" liegt nun fast alleine auf Bobics Schultern, der vor der unglaublich schweren Aufgabe steht, Stadt und Verein zu einer Einheit zu formen und - wie einst die Eintracht - trotz der oder mit den Windhorst-Millionen Schritt für Schritt wieder erfolgreich zu machen. Die Erwartungen an Bobic sind groß, die Hürden, die ihn bei Hertha BSC erwarten, nicht geringer. Mit Ben Manga blieb zudem eine Säule von Bobics Erfolg der letzten Jahre bei der Eintracht. 

Fans sahen und sehen Bobic kritisch

In Frankfurt hatte der ehemalige Nationalspieler bei seinem Abgang Sympathien verspielt, ließ sich zu seinem öffentlichen Auftritt hinreißen, der für Unmut gesorgt hatte. In der ARD hatte er seinen Abgang öffentlich kundgetan und den Verein damit in die Bredouille gebracht. Eine Absprache mit dem Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Steubing machte er dabei öffentlich. In dieser Saison dann wurden Bobic diverse Nebenabsprachen bei Transfers vorgeworfen, mit denen sich Nachfolger Markus Krösche konfrontiert sah. Prominente Namen bei der Eintracht: Filip Kostic und Amin Younes. Beide beriefen sich auf Zusagen von Bobic. Der serbische Linksaußen hatte eine vermeintliche Wechselzusage erhalten, Younes hingegen eine Gehaltsaufbesserung. Verbrieft ist davon allerdings nichts, rechtlich bindend war es ohnehin nicht. Unmut zogen die Berichte dennoch nach sich. 

Erfolge haben Bestand

Bobic, der in alldem stets gelassen blieb und zuletzt äußerte, dass er sich auf die Rückkehr nach Frankfurt freut, dürfte es herzlich egal sein. In den fünf Jahren bei der Eintracht lebte er nie von Sympathien oder Identifikation. Es war der Wille nach Erfolg, der ihn antrieb. Dankbarkeit wird ihm bei seiner Rückkehr in den Deutsche Bank Park sehr wahrscheinlich nicht begegnen. Sympathien erhielt er von den Frankfurter Fans weder 2016 zu Beginn seiner Amtszeit noch wird er sie bei seiner Rückkehr nun erhalten. Dazwischen allerdings lagen fünf sportlich äußerst erfolgreiche Jahre für die Hessen, die immer auch mit Bobic in Verbindung stehen werden. Und letztlich auch das, was für den Erfolgsmenschen Bobic zählt, der zumindest von den Frankfurter Verantwortlichen einen freundlichen Empfang erwarten kann. 

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Benjamin Heinrich  
16.10.2021