Zurück bei Nacional

Die schicksalhafte Geschichte hinter Suarez' Uruguay-Rückkehr

Suarez (Mitte) mit Sofia (r.) und seiner ältesten Tochter Delfina (l.). Foto: PABLO PORCIUNCULA/AFP via Getty Images
Suarez (Mitte) mit Sofia (r.) und seiner ältesten Tochter Delfina (l.). Foto: PABLO PORCIUNCULA/AFP via Getty Images

Luis Suarez ist nach 16 Jahren in Europa zurück bei Nacional Montevideo. Die Rückkehr in die Heimat Uruguay mag überraschend kommen und doch schließt sich für den Stürmer ein Kreis. 2006 hatte er Nacional der Liebe wegen verlassen, nun kehrt er mit seiner Ehefrau und mittlerweile drei gemeinsamen Kindern zurück.

"Ich bin stolz, mit meiner Familie nach Hause zurückzukehren", verkündete Luis Suarez bei seiner Rückkehr ins Estadio Gran Parque Central. Unzählige Fans von Nacional Montevideo waren gekommen, um den verlorenen Sohn wieder willkommen zu heißen. Obwohl Suarez bei Vereinen wie Borussia Dortmund im Gespräch war, entschied er sich nach seinem Abgang von Atletico Madrid für die Unterschrift bei Nacional. Ein Wechsel, der ihn auf schicksalhafte Weise wieder dorthin führt, wo alles begann.

Ohne Sofia wäre Suarez nicht Fußballprofi geworden

In seiner Heimat Montevideo lernte Suarez einst das Fußballspielen. Der talentierte Angreifer wuchs in einfachen Verhältnissen auf, seine Familie hatte kaum Geld. Damals, als Suarez 15 Jahre alt war, verliebte er sich in die Blondine Sofia Balbi. Ohne sie hätte es Suarez schwer gehabt, Fußballprofi zu werden. "Sie trieb mich an, meine Hausaufgaben zu machen und machte sie sogar mit mir", sagte Suarez später mal in einem Interview mit Channel 10. Sofia sorgte dafür, dass er diszipliniert blieb und seinen Zielen nachging. Ansonsten, so erzählte Suarez, wäre er vermutlich auf die schiefe Bahn geraten - so wie es einigen seiner Weggefährten zuteil wurde.

Im Jahr 2003 brach für Suarez jedoch eine Welt zusammen: Sofia verließ mit ihrer Eltern Uruguay, um in Barcelona ein besseres Leben führen zu wollen. Suarez war am Boden zerstört. Das Mädchen, das er liebte, war plötzlich weg. Weil die Sehnsucht derart groß war, erhielt er von seinem damaligen Berater Daniel Fonseca das Geld für einen Flug. Also setzte Suarez sein Vorhaben in die Tat um und flog nach Katalonien. "Ich schaffte es gerade so, mir ein Ticket nach Barcelona zu kaufen, aber ansonsten hatte ich überhaupt kein Geld bei mir", erinnerte er sich später.

"Ich wollte in Europa spielen und mit Sofi zusammen sein"

In Barcelona angekommen, ließen ihn die Sicherheitsbeamten allerdings nicht gehen. Suarez erklärte: "Sie hielten mich am Flughafen fest, weil ich erst 16 war und keine Adresse angeben konnte, zu der ich wollte. Ich hatte nichts." Stundenlang musste er warten, ehe alles geklärt war und er los durfte. Vor lauter Aufregung bekam er zwischendurch Nasenbluten. Nun durfte er aber endlich seine Sofia in die Arme schließen, "mit meinem weißen T-Shirt, das völlig blutverschmiert war".

Nachdem es für ihn wieder zurück nach Montevideo ging, tat er alles, um seinen großen Traum vom Profifußballer Realität werden zu lassen - und vor allem Sofia näher sein zu können. Suarez wusste schon damals, was er wollte: "Ich wollte in Europa spielen und mit Sofi zusammen sein." Tatsächlich schaffte Suarez bei Nacional 2005 den Durchbruch und nur ein Jahr später trudelte ein Angebot vom niederländischen Erstligisten FC Groningen ein. "Ich hatte keine Ahnung, dass sie mich beobachteten und ich hatte noch nie von Groningen gehört, aber ich wusste, dass es näher an Barcelona liegt als Montevideo", berichtete Suarez.

Über Groningen, Amsterdam, Liverpool, Barcelona und Madrid zurück nach Montevideo

Weil Suarez derart stark beim FC Groningen aufspielte, zahlte Ligakonkurrent Ajax Amsterdam im Sommer 2007 für ihn 7,5 Millionen Euro. Fortan stürmte er für den niederländischen Rekordmeister. Und Sofia und er gaben sich dort in Amsterdam 2009 das Ja-Wort. Suarez reifte immer mehr zum Weltklasse-Stürmer, weshalb der FC Liverpool im Januar 2011 stolze 26,5 Millionen Euro auf den Tisch legte und ihn von Ajax verpflichtete. Nachdem Suarez bei den Reds seine Trefferqualitäten beachtlich unter Beweis stellte, ging es für ihn noch höher hinaus - und zwar ausgerechnet nach Barcelona. Barca überwies im Sommer 2014 sagenhafte 81,72 Millionen Euro an den FC Liverpool, um sich Suarez' Dienste zu sichern. Von nun an lebte das Paar in Barcelona und baute sich dort mit den gemeinsamen Kindern Delfina, Benjamin und Lautaro ein Leben auf.

Beim FC Barcelona feierte Suarez mit dem Champions-League-Gewinn 2015 die wohl erfolgreichste Zeit seiner Karriere. Im Sommer 2020 wurde er von den Katalanen jedoch vom Hof gejagt. Weil er bei der Blaugrana unerwünscht war, heuerte er bei Atletico Madrid an. Nach zwei Jahren bei den Rojiblancos mit einer Meisterschaft ist Suarez nun wieder zurück bei Nacional - und das mit Sofia und den drei gemeinsamen Kindern. Als ob es vorherbestimmt gewesen wäre.

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Adrian Kuehnel  
02.08.2022