Abseits von Pep und Co.

Die 5 unterbewertetsten Trainer in Europas Top-Ligen 2021

Inzaghi hat Inter noch besser gemacht. Foto: Getty Images
Inzaghi hat Inter noch besser gemacht. Foto: Getty Images

Das Fußballjahr 2021 neigt sich in ganz Europa dem Ende entgegen. Mit Ausnahme der Premier League befinden sich die wichtigsten Wettbewerbe bereits in einer zumeist recht kurzen Winterpause. Auch in den vergangenen zwölf Monaten dominierten in der Diskussion über die besten Trainer der Welt die bekannten Namen.

Pep Guardiola, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Antonio Conte, Mauricio Pochettino, Julian Nagelsmann, Carlo Ancelotti, Massimiliano Allegri, Roberto Mancini, Hansi Flick: Fragt man Fußballfans in Europa nach den besten Übungsleitern, dürften diese Namen in den wenigsten Aufzählungen fehlen. All diese Coachs haben sicher auch ihre Berechtigung, im Pantheon der Trainer-Persönlichkeiten weit vorne zu stehen. Jedoch stellen die großen Trainer dieser Zeit auch bisweilen die Leistungen von Kollegen in den Schatten, die selbst mehr Öffentlichkeit verdienen. Deshalb nennt fussball.news fünf Trainer, die für ihre Taten im Jahr 2021 mehr Anerkennung verdienen, einen pro Top-Liga in Europa.

Bundesliga: Oliver Glasner, VfL Wolfsburg/Eintracht Frankfurt

Der Österreicher führte im ersten Halbjahr 2021 den VfL Wolfsburg in die Champions League, obwohl sein Abschied am Saisonende wegen zu großer interner Querelen vor allem im Binnenverhältnis mit Sportchef Jörg Schmadtke kein großes Geheimnis mehr war. Die Bilanzen der Nachfolger Mark van Bommel und Florian Kohfeldt zeigen, dass Glasner in Wolfsburg durchaus vermisst wird. Bei Eintracht Frankfurt trat der Chefcoach dann das schwere Erbe von Adi Hütter an, nach zähem Beginn haben sich die Hessen zuletzt wieder als Bundesliga-Top-Team etabliert. Dennoch fliegt Glasner in Fußball-Deutschland weiter unter dem Radar. 2021 holten seine Teams 64 Punkte. In der Jahrestabelle der Bundesliga wäre das gleichbedeutend mit Platz vier.

Premier League: David Moyes, West Ham United

International wird die Karriere von Moyes wohl auf ewig von seinem Scheitern als Nachfolger des großen Sir Alex Ferguson bei Manchester United dominiert werden. Dabei verdient der Schotte für seine Leistungen bei West Ham United große Anerkennung. Die Londoner führte er in der vergangenen Saison erstmals seit 2006 wieder in die Gruppenphase eines Europapokals, die Hammers haben dabei souverän das Achtelfinale der Europa League erreicht. Auch in der Premier League erweist sich der Klub immer wieder als Stolperstein für die noch größeren Teams. Angesichts von Siegen über den FC Liverpool und FC Chelsea muss sich Guardiola als Coach des Tabellenführers Manchester City bei Moyes bedanken. 

LaLiga: Manuel Pellegrini, Real Betis 

Auch die Karriere von Pellegrini galt manchem Beobachter schon als vorbei. Immerhin hat der Chilene nach Stationen bei Real Madrid und ManCity in China gearbeitet und anderthalb Jahre bei West Ham verbracht. Seit 2020 entwickelt er Real Betis in der spanischen LaLiga aber immer mehr zur Top-Mannschaft. Aktuell liegen die Grün-Weißen auf Champions-League-Kurs und in der Tabelle etwa deutlich vor Meister Atletico Madrid und dem großen FC Barcelona. Dabei begeistert Real Betis mit dem zweitbesten Angriff Spaniens, obwohl die Pellegrini-Elf nicht mit den ganz großen Namen aufwarten kann. Stattdessen trägt die Mannschaft die Handschrift eines Trainers, der mit 68 Jahren nochmal zeigt, warum er früher für Top-Klubs in Frage kam.

Serie A: Simone Inzaghi, Lazio/Inter Mailand

Als Inter Mailand wenige Wochen nach dem ersehnten Scudetto-Gewinn im Mai die Trennung von Meister-Trainer Conte bekannt gab, war das Entsetzen unter den Fans groß. Der Italiener war der größte Star der Mannschaft und galt als Hauptgrund für den Titelgewinn. Zum Jahresende kräht kaum noch ein Hahn nach Conte, weil Nachfolger Inzaghi die Lombarden in mancher Hinsicht noch besser gemacht hat. Obwohl Stars wie Romelu Lukaku und Achraf Hakimi verkauft wurden, spielt Inter schöneren Fußball, der nicht minder erfolgreich ist. Inzaghi führte das Team auch, anders als Conte, in die K.o.-Phase der Champions League. Zugetraut hätten eine solche Entwicklung dem Neu-Trainer der Nerazzurri die wenigsten, dabei hatte er schon bei Lazio gute Erfolge vorzuweisen. Nur Juventus holte in den vergangenen Jahren mehr Titel in Italien als seine Römer.

Ligue 1: Christophe Galtier, OSC Lille/OGC Nizza

Galtier hat in der französischen Ligue 1 das unmögliche möglich gemacht und sich über eine ganze Saison gegen Paris Saint-Germain durchgesetzt. Für einen Meistertitel in der aktuellen Ära von PSG müsste man dem Cheftrainer in Lille eigentlich ein Denkmal bauen, sein Abschied zu OGC Nizza im Sommer mag aber dagegen sprechen. Mit dem Klub von der Cote d'Azur liegt Galtier nun auf Rang zwei, es winkt die erste Champions-League-Teilnahme der Vereinshistorie. Dennoch ist der 55-Jährige international weitgehend unbekannt und wird bisher nicht mit den absoluten Top-Trainerjobs in Verbindung gebracht. Warum Galtier kein Kandidat für PSG, die französische Nationalelf oder andere große Aufgaben sein soll, erschließt sich nach einem herausragenden Jahr 2021 nicht mehr.

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Lars Pollmann  
27.12.2021