Nach Hertha-Pleite

Die 3 großen Baustellen bei der Eintracht

Filip Kostic (r.) konnte den Berliner Sieg bei der Eintracht nicht verhindern. Foto: Getty Images

Acht Spiele, acht Punkte: Eintracht Frankfurt bleibt weiter in der eigenen Findungsphase und verliert in der Bundesliga immer mehr die Top 6 aus dem Blick. Ein Jahr des Umbruchs planen die Verantwortlichen zwar ein, doch die Probleme zum aktuellen Stand der Saison sind doch größer als gedacht. fussball.news nennt die drei größten Baustellen, die Trainer Oliver Glasner aktuell meistern muss. 

Aus dem Deutsche Bank Park in Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Oliver Glasner holte nach dem 1:2 gegen Hertha BSC und einer desaströsen ersten Hälfte seiner Mannschaft zur Generalkritik aus. Sowohl defensiv als auch offensiv offenbarten die Hessen eklatante Defizite. Von einer Weiterentwicklung in den letzten Wochen und Monaten war gegen die Berliner nichts zu sehen. Und am Donnerstag (21 Uhr) wartet in der Europa League gegen Olympiakos Piräus gleich die nächste Hürde. Viel Zeit zum Nachdenken oder gar zum Nachjustieren bleibt nicht. Trainer Oliver Glasner steht vor einer schweren Aufgabe und hat dabei drei große Baustellen.

1. Ständige Veränderungen

System und Spieler: Oliver Glasner veränderte in den letzten Wochen viel, probierte quasi alles, um eine Herangehensweise zu finden, mit der sich das Team wohl fühlt und gleichzeitig erfolgreich ist. Bisher allerdings erfolglos. Die ständigen Veränderungen verunsichern die Mannschaft zunehmend und auch die vielen Umstellungen in Startelf und Kader gehen nicht spurlos an den Spielern vorbei. Sie scheinen gar überfordert zu sein mit der Umsetzung der festgelegten Vorgaben. Beim 2:1-Coup beim FC Bayern München spielten Tuta und Stefan Ilsanker in der Innenverteidigung und wussten zu überzeugen. Zwei Wochen später gegen Hertha BSC saßen beide 90 Minuten auf der Bank. In der Startelf stand dafür Martin Hinteregger, den seit Wochen schon Schulterprobleme plagen. Auf der Bank nahm zu Beginn auch Daichi Kamada Platz. Danny da Costa und Ragnar Ache fehlten gar gänzlich im Kader. Letzterer wurde erst am Samstagmorgen aus dem Aufgebot gestrichen, nachdem die Entscheidung gefallen war, dass Rafael Borre trotz erheblicher Reisestrapazen spielen kann. Auf der rechten defensiven Außenbahn experimentierte Glasner mit vier Spielern. Da Costa, Almamy Toure, Erik Durm und Timothy Chandler durften sich ausprobieren. Überzeugen konnte keiner dauerhaft, sicher auch, weil keiner von ihnen langfristig das Vertrauen erhielt. Zuletzt kritisierte Glasner die taktische Umsetzung bei Chandler und Touré. "Da bin ich sehr, sehr ehrlich: Es ist nicht so, dass ich sage, Stempel drauf und so ist es. Wir sind noch mittendrin", erklärte Glasner auf Nachfrage von fussball.news. Die Findungsphase hält an, sollte sie aber nicht mehr allzu lange.

2. Abhängigkeit von Kostic

"Wir spielen raus auf Filip Kostic, der soll flanken und dann wird schon was entstehen. Das ist einfach zu wenig", monierte Glasner nach der Niederlage gegen die Hertha. Der Verbleib des Serben war für die Eintracht Fluch und Segen. An guten Tagen ist der 28-Jährige die Lebensversicherung in der Offensive, brillierte beim FC Bayern München mit Vorlage und Tor. Findet er allerdings nicht ins Spiel, liegt die Last des gesamten Eintracht-Spiels auf seiner Schulter und seinen Mitspielern fällt nur noch wenig ein. Eine Abhängigkeit, die den Hessen nicht gut tut. Vor allem weil der Nationalspieler seine Defensivaufgaben nur mäßig erfüllt, gegen Berlin winkte er auffällig oft ab, reklamierte beim Schiedsrichter, statt nach hinten mitzuarbeiten. Glasner prangerte auch deutlich an, dass Kostic eben nicht der klassische "Wingback" ist, ein offensiver Außenverteidiger, sondern eben ein Linksaußen mit Drang nach vorne. Zumindest in seinem aktuellen Spielverständnis. Das war schon besser und muss neben der Emanzipation vom Leistungsträger auch wieder besser werden, wenn die Eintracht erfolgreichen Fußball spielen will. 

3. Transfers helfen (noch) nicht

Was Oliver Glasner dazu bewegt hat, gegen die Hertha gleich mit drei Neuzugängen in der Offensive zu beginnen, bleibt sein Geheimnis. Sam Lammers, Jesper Lindström und Jens Petter Hauge sind allesamt einzeln noch keine wirkliche Verstärkung in dieser Saison. Gemeinsam allerdings waren sie komplett überfordert, fanden weder Ideen noch Durchschlagskraft gegen die bis dato schlechteste Defensive der Bundesliga. Gestandene Bundesligaspieler wie Kamada und Goncalo Paciencia hingegen saßen nur auf der Bank. Mit Christopher Lenz ist ein weiterer Neuzugang seit Wochen verletzt. Der einzige etatmäßige Linksverteidiger hatte zumindest die Option Viererkette ermöglicht und kurzzeitig etabliert. Rafael Borre ist zwar giftig in Zweikämpfen und Pressingsituationen, als Offensivspieler aber zu torungefährlich. Kristijan Jakic hat sich zuletzt als Sechser festgespielt, kann der Mannschaft mit seiner robusten Spielweise auch helfen, ist aber zu ballverliebt und in Sachen Spielaufbau noch nicht in der Bundesliga angekommen. "Wir müssen mit dem Kader, den wir zur Verfügung haben, bessere Abstimmungen finden", erklärte Glasner. Zufrieden kann er nicht sein. Die bisherigen Transfers haben zwar durchaus Phantasie, helfen aber nach elf gespielten Spielen noch nicht nachhaltig. Auch das ist eine große Baustelle bei der Eintracht. 

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Benjamin Heinrich  
18.10.2021