Geschäftsführer brodelt

Deshalb kommt Watzkes Appell zu spät

Borussia Dortmund befindet sich in der Krise.
Borussia Dortmund befindet sich in der Krise. Foto: Imago

Bei Borussia Dortmund haben Spieler und Verantwortliche zu lange die Augen vor der Realität verschlossen. Der Klartext von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kommt zu spät.

Es hat offenbar bis zur 87. Minute im Duell zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt gedauert, bis auch dem letzten BVB-Verantwortlichen bewusst wurde, dass diese Saison im Debakel enden könnte. Im direkten Duell um Rang vier hatte eine präzise Flanke den Kopf von Andre Silva erreicht und der Ball von dort aus den Weg ins Tor zum 2:1 der Hessen gefunden. Sportdirektor Michael Zorc sank auf seinem Sitz zusammen, die Meine von Hans-Joachim Watzke verdunkelte sich.

Watzke-Appell kommt zu spät

"Ich habe die Mannschaft immer in Schutz genommen. Aber für das Auftreten im Spiel gegen Eintracht Frankfurt kann ich das nicht mehr machen", sagte der Geschäftsführer den Ruhr Nachrichten. Doch dieser Appell kommt zu spät. Die Probleme des Teams wurden auch im Duell gegen die Eintracht wieder deutlich, es mangelt an allen Ecken und Enden.

Kapitän Reus erhitzt die Gemüter

Da ist die Führungsspielerdebatte. Marco Reus enttäuschte erst sportlich und dann auch in seiner Rolle als Kapitän. Als der 31-Jährige in der 80. Minute ausgewechselt wurde, schlenderte er aufreizend lässig und zugleich wütend vom Feld. Vorangehen? Den Einwechselspielern Glück wünschen? Nicht zu vernehmen im Spiel des Jahres. Trainer Edin Terzic stellte sich erneut vor Reus. Warum? Diese Frage gilt es schnell zu beantworten.

Can und Co. überschätzen sich

Da sind Profis, die viel fordern und wenig geben. Emre Can etwa enttäuschte gegen Filip Kostic, war an zwei Gegentreffern mitbeteiligt - und sagte danach dann großspurig, dass er keine Lust auf Europa League habe. Anspruch und Wirklichkeit? Er klafft gewaltig auseinander. Can und Co. können ihre Leistungsstärke aktuell nicht realistisch einordnen.

Schwache Torhüter

Da ist die Fehlbesetzung auf der Torhüterposition. Roman Bürki ist inzwischen verbrannt, Marwin Hitz kein hochkarätiger Ersatz. Der Siegtreffer der Eintracht durch Silva war zwar sehr schwer zu halten, doch ein Schlussmann der Güteklasse Manuel Neuer oder Marc-Andre ter Stegen hätte diesen möglicherweise entschärft.

Schon zehn Saisonniederlagen

Da ist die katastrophale Bilanz. Der BVB hat zehn (!) seiner bisherigen 27 Saisonspiele verloren. Es fehlt an Konstanz und möglicherweise auch an Klasse. Nico Schulz und Julian Brandt kamen als Nationalspieler und haben inzwischen nicht nur ihre Form, sondern auch ihren Platz bei Bundestrainer Joachim Löw verloren. Dadurch fehlt ein Plan B, das Spiel der Borussia beschränkt sich auf Einzelaktionen und geniale Momente von Erling Haaland.

Haaland wirkt unzufrieden

Und da ist eben auch dieser Haaland. Der Norweger hat sich rasant entwickelt, doch der persönliche Erfolg scheint ihm zu Kopf gestiegen zu sein. Gegen die Eintracht distanzierte er sich irgendwann vom Team, haderte nur noch und nahm kaum noch am Spiel teil. Fühlt er sich inzwischen zu groß für die Borussia? Papa Alfie Haaland jedenfalls tourt bereits mit Berater Mino Raiola durch Europa. Während sein Gegenüber Silva die schwierige Situation annahm und sich noch belohnte, blieb Haaland torlos. Die Baustellen: sie sind groß - und in einer zu großen Anzahl vorhanden. Angesichts von sieben Punkten Rückstand auf die Eintracht ist nicht mehr von einem Sprung unter die Top 4 auszugehen.

Florian Bolker  
04.04.2021

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