Spanier zieht es weiterhin nach Liverpool

Deshalb ist ein Thiago-Abgang ein großer Verlust für die Bundesliga

Hans-Dieter Flick herzt Thiago Alcantara nach dem großen Triumph.
Hans-Dieter Flick herzt Thiago Alcantara nach dem großen Triumph. Foto: Getty Images

Thiago Alcantara war im Champions League-Finale zwischen dem FC Bayern München und Paris Saint-Germain neben Manuel Neuer der stärkste Spieler auf dem Platz. Es war höchstwahrscheinlich sein letzter Auftritt für den amtierenden Triple-Sieger. Sein Abgang wird nicht nur dem FC Bayern, sondern der gesamten Bundesliga weh tun.

Es berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Auch wenn sich der FC Liverpool und der FC Bayern München noch um die Ablösesumme streiten: Thiago Alcantara wird sich wohl den Reds anschließen und seine Zelte im Süden der Republik abbrechen. Gegen Paris Saint-Germain im Champions League-Finale zeigte der 29-Jährige, warum Ex-Coach Pep Guardiola vor sieben Jahren den Satz "Thiago - oder nix" in den Mund nahm.

Presselandschaft häufiger sehr kritisch

Warum, so fragte sich mancher Beobachter, waren die Bewertungen des Mittelfeldspielers in den diversen Zeitungen oftmals so schlecht. Dabei konnte Thiago selbst an einem durchschnittlichen Tag des FC Bayern mit seiner Kreativität, Passstärke, dem herausragenden ersten Ballkontakt samt schneller Drehung und Technik, die sich auf Weltklasseniveau, Spiele entscheiden. Dennoch blieb der Vorwurf haften, er tauche in den wirklich wichtigen Partien ab.

Traumpass gegen PSG ebnet Weg zum Triple

Der August 2020 musste kommen, um dieses Märchen endgültig aus der Welt zu räumen. Thiago scheute sich nie, Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen und die Bälle zu fordern. Was seinem Spiel dann und wann fehlte, war die Zielstrebigkeit, der letzte Pass blieb anderen Akteuren vorbehalten. Doch im Champions League-Finalturnier ragte er heraus, vor allem seinem öffnenden Pässchen war der goldene Treffer gegen PSG zu verdanken. Warum der kicker mit seinen in großen Teilen nachvollziehbaren Bewertungen nur eine Note 2 vergab, bleibt aber ein Rätsel. Robert Lewandowski und Torschütze Kingsley Coman bekamen eine 1,5, Neuer zurecht die 1. Doch diese hätte sich auch Thiago verdient, der in allerlei Hinsicht einen sehr, sehr starken Job machte.

Bei aller Kritik: Auch Kovac hat seinen Anteil

Doch blicken wir zurück: Es hat zwei Trainer gebraucht, die die richtige Position für ihn finden und das Potenzial endgültig aus ihm herauskitzeln. Da war der viel gescholtene Ex-Coach Niko Kovac, der Thiago etwas defensiver positionierte. Dort kam nicht nur seine Pass-, sondern auch die Zweikampfstärke zur Geltung! Im ersten Duell der Saison 2018/19 gegen die TSG Hoffenheim (3:1) gewann er überragende 60 Prozent der direkten Duelle und hatte eine Passquote von 88 Prozent - identisch mit den Werten aus dem Champions League-Finale gegen Paris Saint-Germain. Insgesamt verbesserte er sich unter Kovac in der Disziplin Zweikampfstärke um rund sieben (!) Prozent, er zerstörte viele gefährliche Situationen bereits im Ansatz. Es war kein Zufall, dass Thiago sehr lange hinter dem Kroaten stand und ihm dankbar für diese Verschiebung war. Mit der offensiven Ausprägung im defensiven Mittelfeld hat der Nationalspieler ein Alleinstellungsmerkmal, er perfektionierte diese Rolle.

"Die Liebe auf den letzten Blick"

Doch im Gesamtpaket blühte er erst so richtig nach Startschwierigkeiten unter Hans-Dieter Flick auf. Je selbstbewusster das gesamte Team wurde, desto besser konnte Thiago seine Klasse ausspielen und sich vollumfänglich entfalten. Dreh- und Angelpunkt, Zuspiele in die Tiefe, Dominanz ausstrahlen und wie ein Feldherr die Zweikämpfe gewinnen - es gibt wohl in der Bundesliga kaum einen kompletteren Spieler. "Die Liebe auf den letzten Blick" titelte der Spiegel. Es endete verdientermaßen mit der Krönung in der Königsklasse.

Herausragend gegen PSG

Gegen PSG führte Thiago alle wichtigen Statistiken an, auch als Ballabfänger war er einer der Schlüsselspieler von Flick. Während die Medienvertreter spekulierten, ob Benjamin Pavard zurückkehren würde und Thiago für Joshua Kimmich weichen müsse, wusste Flick genau: "Thiago - sonst nix!"

FC Liverpool wohl der nächste Klub

Umstimmen werden ihn die Münchner wohl nicht mehr können, der Wechsel zum FC Liverpool nimmt auch nach Sport1-Informationen immer konkretere Formen an. Schade möchte man laut sagen, denn Thiago wird nach 235 Pflichtspielen mit 31 Toren und 37 fehlen und seiner teils so genialen Spielweise fehlen - nicht nur dem FC Bayern, sondern der gesamten Bundesliga.

Christopher Michel  
25.08.2020