Trotz Abgang

Teamrückhalt und Interimstrainer: Deshalb hielt Eintracht an Hütter fest

Frankfurts Trainer Adi Hütter (v.) mit seinen Assistenten Christian Peintinger (r.) und Armin Reutershahn. Foto: Imago

Eintracht Frankfurt hat im Saisonfinale der Bundesliga die Champions League verspielt. Im Fokus der Kritik: Trainer Adi Hütter. Der hatte vor Wochen seinen Abgang nach der Saison angekündigt und auch in den Wochen danach mit diversen Statements Unruhe in den Klub gebracht. Die Verantwortlichen hatten aber ihre Gründe, warum sie dennoch am Österreicher festhielten.

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Bis der Wechsel von Adi Hütter zu Borussia Mönchengladbach bekanntwurde, vergingen Wochen voller Spekulationen, vermeintlichen Dementi und Gerüchten. Am 13. April dann die offizielle Verkündung: Nach drei Jahren bei der Eintracht sucht der 51-Jährige trotz eines Vertrages bis 2023 dank einer Ausstiegsklausel von 7,5 Millionen Euro eine neue Herausforderung im Rheinland. Da einen Tag später auch die lange erwartete, einvernehmliche Trennung von Sportvorstand Fredi Bobic zum Saisonende kommuniziert wurde, stand die Klubführung vor der Frage, wie sie mit dieser speziellen Entwicklung umgeht. 

Team wollte mit Hütter weitermachen

Eine vorzeitige Freistellung Hütters war wegen seines Wechsels zu Borussia Mönchengladbach dabei kein Thema. Die Verantwortlichen suchten das Gespräch mit der Mannschaft. Anzeichen, dass das Verhältnis von Trainer zu Spielern einen Riss bekommen würde, gab es keine. Vielmehr stellten sich die Spieler nach fussball.news-Informationen hinter ihren Coach, ließen keinen Zweifel aufkommen, dass sie den Weg mit ihm auch bis zum Saisonende gehen wollen. Entgegen der Erwartungen des Teams, die Reißlinie zu ziehen, wäre zum damaligen Zeitpunkt ein unkalkulierbares Risiko gewesen. Leistungsträger wie Martin Hinteregger oder Filip Kostic blühten unter Hütter auf, haben eine enge Beziehung zum Vorarlberger. Dass der Wechsel am Ende doch Einfluss auf die Spieler hatte, wie sie nach der 3:4-Niederlage beim FC Schalke 04 zugaben, war ebenso ein Risiko, das die Verantwortlichen abwägten und eingingen.

Wer hätte übernehmen sollen?

Am Ende scheiterte das Gedankenszenario einer Freistellung aber allein auch schon an den fehlenden Alternativen. Die Eintracht benötigte im Kampf um Europa schließlich keinen klassischen "Feuerwehrmann", der den Abstiegskampf einläutet, sondern einen Trainer, der im Optimalfall die bestehenden Strukturen und den Verein kennt und sich dort nahtlos einfügt und dann womöglich im Sommer wieder Platz macht. Den Hütter-Nachfolger direkt schon zu verpflichten, war mitten in der Saison nicht möglich. Während andere Klubs in solchen Situationen auf Co- oder U23-Trainer vertrauen können, haben die Hessen das strukturelle Problem, dass aus dem eigenen Nachwuchs kein Coach für die Aufgabe geeignet gewesen wäre. Jürgen Kramny, U19-Trainer, hat zwar schon Bundesligaerfahrung, ist dort aber gescheitert. Dem Trainerduo Thomas Broich und Jerome Polenz aus der U15 wird zwar eine große Zukunft vorausgesagt, sie sollen aber behutsam aufgebaut werden. Die Gefahr, dass ein solches Experiment scheitert und die beiden anschließend "verbrannt" gewesen wären, war ein zu hohes Risiko.

Hütters Darstellung auch intern Thema

Klar ist, dass die Verantwortlichen über das Auftreten ihres Trainers in den letzten Wochen nicht glücklich sein können. Die charakterlichen Schwächen des Österreichers, die in mangelnder Selbstkritik und einer falschen Fokussierung in einer schwierigen Phase samt medialen Alleingängen mündeten, wurden zunächst intern, zuletzt aber auch öffentlich von Vorstandssprecher Axel Hellmann angesprochen. Dass Hütter sich im Saisonfinale, in dem es für die Eintracht um nicht weniger als die erstmalige Qualifikation für die Champions League ging, selbst wichtiger nahm als den Erfolg des Teams, stieß mächtig auf. Ob ein neuer Trainer den Erfolg gebracht und der Eintracht die Champions League statt der Europa League beschert hätte, bleibt hypothetisch. Die Verantwortlichen allerdings hatten nachvollziehbare Gründe, die Reißleine nicht zu ziehen. 

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Benjamin Heinrich  
17.05.2021