Marketing-Experte

"Der HSV ist nicht in einer Krise, er ist längst in einer neuen Realität"

Der HSV geht in ein drittes Jahr in der 2. Bundesliga. Foto: Focke Strangmann/Pool via Getty Images
Der HSV geht in ein drittes Jahr in der 2. Bundesliga. Foto: Focke Strangmann/Pool via Getty Images

Der Hamburger SV hat sich mit einem 1:5 am letzten Spieltag in Liga zwei mal wieder zum Gespött von Fußball-Deutschland gemacht. Auch einen Monat später leckt der Klub die Wunden der verpassten Relegation. Seither hat der HSV auch wichtige Sponsoren verloren.

Trikotsponsor Fly Emirates hat die Brust freigemacht, Klaus-Michael Kühne den Kontrakt über die Namensrechte am Volksparkstadion auslaufen lassen. Der HSV befindet sich inmitten einer gewaltigen Zäsur. Von einer anhaltenden Krise ist da in Medien gerne die Rede. Dennis Trautwein schätzt die Lage anders ein. Der Marketingexperte arbeitet für die Agentur Octagon, die sich auf Sport spezialisiert. "Der HSV ist nicht in einer Krise. Er ist längst in einer neuen Realität, in der er seine Identität finden muss", sagt der 40-Jährige gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

"Die Marke muss neu gedacht werden"

Es sei aktuell nicht klar, wofür der Verein steht. In der Außendarstellung fehle es an Einheitlichkeit. Kein Wunder, wenn der Traditionsklub sein Führungspersonal im schnellen Rhythmus austauscht. Grundsätzlich sieht Trautwein beim früheren Bundesliga-Dino aber weiterhin Potenzial. "Die Marke muss neu gedacht werden, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Wenn man das schafft, dann ist die Marke HSV sehr attraktiv." Immerhin ist der Standort Hamburg eine Wucht, zudem hat der Klub nach wie vor viele Fans hinter sich.

Vorbilder Frankfurt, Köln und ausgerechnet St. Pauli

Sich ein neues Image zu geben haben aus Sicht des Experten andere Vereine durchaus vorgemacht. Frankfurt und Köln ist das gut gelungen. Es ist jetzt klar, wofür die Vereine stehen. Und ein Sponsorpartner weiß, was er bekommt", so Trautwein. Ähnliches gelte für den FC St. Pauli, der ein deutlich schärferes Profil hat als der weitaus größere Stadtrivale. Wichtig sei dabei aber stets, mahnt der Marketing-Fachmann, dass ein Verein seine Fans mitnimmt. "Es braucht einen engen Schulterschluss."

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Lars Pollmann  
26.07.2020