Erinnerungen an VfB-Zeit

Daum: "Wurde vom Meistermacher zum größten Volltrottel"

Daum (r.) mit dem damaligen VfB-Präsidenten Mayer-Vorfelder (l.).
Daum (r.) mit dem damaligen VfB-Präsidenten Mayer-Vorfelder (l.). Foto: Getty

Von 1990 bis 1993 war Christoph Daum Cheftrainer beim VfB Stuttgart und holte damals in der Saison 1991/92 sogar die deutsche Meisterschaft. Über seine Zeit bei den Schwaben und weshalb er "vom Meistermacher zum größten Volltrottel" mutierte, schreibt die Trainerlegende in seiner Autobiografie.

Christoph Daum begann 1990 seine Tätigkeit als Coach beim VfB Stuttgart und "brannte", wie er in seiner Autobiografie "Immer am Limit" schreibt (zitiert via Stuttgarter Zeitung). Zu Beginn erweckte er beim VfB "eine tote Mannschaft" wieder zum Leben. Organisierte im Trainingslager in Brasilien sogar "einen schönen Abschlussabend" mit "ein paar Stripperinnen".

"Zählte wie Ali zu den Größten"

Seinen größten Erfolg erlebte der heute 66-Jährige in der Saison 1991/92, als er mit dem VfB Meister wurde. "Ich heulte wie ein kleines Kind", erzählt der Meistermacher, der sich im Mai 1992 im Anschluss an den entscheidenen Sieg in Leverkusen auf der Toilette einsperrte: "Jetzt zählte ich wie Ali zu den Größten, zumindest fühlte ich mich für einen kurzen Moment so."

"Wirkten auf mich so locker wie ein Kleiderbügel im Jackett"

Doch mit den Schwaben ging es in die Brüche. "Sie wirkten auf mich so locker wie ein Kleiderbügel im Jackett", erinnert sich der langjährige Fußballlehrer zurück und erklärt, wie seine Autorität schwand. Der VfB trat im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation bei Leeds United an, wobei Daum mit der Einwechslung von Jovo Simanic regelwidrig einen vierten Ausländer einwechselte: "Plötzlich war ich nicht mehr der Meistermacher, sondern der größte Volltrottel."

"Einer der emotionalsten Momente in meiner Trainerkarriere"

Zum endgültigen Aus kam es im November 1993. Bei seinem letzten Spiel als VfB-Trainer (4:0 gegen den MSV Duisburg) feierten ihn die Anhänger mit Sprechchören. Für Daum "einer der emotionalsten Momente in meiner Trainerkarriere, und das werde ich den VfB-Fans nie vergessen".

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Adrian Kuehnel  
10.10.2020