Vier Jahre nach der Kokain-Affäre

Daum: Mayer-Vorfelder wollte mich 2004 als Bundestrainer

Daum und Mayer-Vorfelder unterschrieben 2000 bereits Verträge. Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images
Daum und Mayer-Vorfelder unterschrieben 2000 bereits Verträge. Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Christoph Daum feiert diesen Monat Geburtstag. Der Fußballlehrer wird 67 Jahre alt. Die Krönung einer schillernden Karriere hätte der Posten als Bundestrainer werden sollen. Den verlor er im Jahr 2000 noch bevor er ihn antreten konnte. Vier Jahre später öffnete der DFB die Tür noch einmal.

"DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat mich nach der EM 2004 in Portugal angerufen und gefragt: 'Können Sie sich noch mal vorstellen, Bundestrainer zu werden?'", berichtet Daum gegenüber Bild am Sonntag. Er habe mitgeteilt, dass das höchste Traineramt in Deutschland nach wie vor sein Lebenstraum sei, so der gebürtige Zwickauer. Er hätte somit die Nachfolge von Rudi Völler angetreten, der seinerseits im Jahr 2000 eigentlich nur als einjähriger Platzhalter für Daum vorgesehen war. 

"Der Daum muss eine zweite Chance bekommen"

Mayer-Vorfelder habe nach dem Gespräch im Stillen versucht, eine Mehrheit im deutschen Fußball für Daum zu organisieren. "Menschlich gesehen haben ja alle verstanden, dass man nicht fehlerfrei ist, hieß es, das muss man vergessen können, und der Daum muss eine zweite Chance bekommen", erinnert der Meistertrainer des VfB Stuttgart von 1992, dessen Präsident Mayer-Vorfelder seinerzeit war. Daum hatte 2000 wegen einer Kokain-Affäre seinen Job bei Bayer Leverkusen verloren, ein bereits unterschriebener Vertrag mit dem DFB für den 01. Juli 2001 fiel ebenfalls weg.

"Da war überhaupt nicht dran zu denken"

"Aufgrund gewisser konservativer Bestrebungen oder auch einer gewissen Rivalität aus der süddeutschen Gegend war da aber überhaupt nicht dran zu denken", erinnert Daum. Gemeint ist wohl seine Privatfehde mit Uli Hoeneß, seinerzeit Manager des FC Bayern. Der Ex-Nationalspieler hatte die Affäre vier Jahre zuvor mit einem Interview in der Münchner Abendzeitung ins Rollen gebracht. Mayer-Vorfelder habe wegen seiner Idee für den Bundestrainer-Posten um sein Präsidenten-Amt zittern müssen, sagt Daum. "Dann haben wir das recht schnell ad acta gelegt." Nachfolger von Völler wurde Jürgen Klinsmann, der das Team bei der Heim-WM 2006 auf Platz drei führte. Sein Assistent Joachim Löw ist bis heute für Team Deutschland verantwortlich.

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Lars Pollmann  
04.10.2020