Vorzeitiges Aus bei Gladbach?

Das Pro und Contra einer Ginter-Degradierung

Wie geht's weiter mit Matthias Ginter? Der Gladbacher Abwehrchef musste zuletzt 90 Minuten auf der Bank schmoren.
Wie geht's weiter mit Matthias Ginter? Der Gladbacher Abwehrchef musste zuletzt 90 Minuten auf der Bank schmoren. (Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Seit Samstagabend gibt es bei Borussia Mönchengladbach gefühlt nur noch ein Thema: Was passiert mit Matthias Ginter? Der Innenverteidiger verfolgte den Anstoß erstmals in dieser Saison nur von der Bank aus und wurde auch in den 90 nachfolgenden Minuten nicht eingewechselt.

Hintergrund war die Entscheidung zugunsten von Marvin Friedrich. Der Neuzugang, der erst ein paar Tage zuvor zu den Fohlen gewechselt war, erhielt von Trainer Adi Hütter den Vorzug. Sogar Tony Jantschke, der bislang nur als Ersatzmann galt, stand in der Startelf. Doch ist Ginters Degradierung, der im Sommer Borussia Mönchengladbach definitiv verlassen wird, überhaupt gerechtfertigt? fussball.news hat dazu ein Pro und Contra erstellt.

Pro

Ginter ist in den vergangenen Jahren zum Abwehrchef der Fohlen gereift. Zum Teil ist es also auch ihm anzulasten, dass die Defensive in der Weihnachtszeit mehrmals alt ausgesehen hat. Hütter erklärte dazu: "Fakt ist, dass wir mit ihm in vier Spielen 17 Gegentore bekommen haben." Schläfrig agierte Ginter zum Beispiel in der Partie gegen Eintracht Frankfurt, als Denis Zakaria vor dem 1:1-Ausgleich den Ball verlor und Ginter gegen Torschütze Rafael Borre das Abseits aufhob.

Sportdirektor Max Eberl wollte bereits im vergangenen Sommer mit seinem Innenverteidiger den Vertrag verlängern oder ihn gewinnbringend verkaufen. Die Verhandlungen zogen sich allerdings bis Ende der Hinrunde hinaus. Wie immer wieder zu hören war, habe Ginters Management ein zu hohes Gehalt gefordert, welches Eberl nicht bezahlen konnte - besonders nicht in Corona-Zeiten. Mit einem Bankplatz könnte nun die Trennung beschleunigt werden, damit Gladbach noch eine kleine Ablöse einstreichen kann. Dazu muss ein Verkauf noch in den nächsten zwei Wochen über die Bühne gehen.

Hütter kann sich eine Abwehr ohne Ginter locker leisten. Mit Friedrich wurde bereits der passende Nachfolger verpflichtet. „Wir haben uns entschlossen, in die Zunft zu investieren“, rechtfertigte Hütter den Einsatz des Neuzugangs. Zudem hat die Borussia mit Jantschke und Nico Elvedi zwei erfahrene Innenverteidiger in den eigenen Reihen - und auch Jordan Beyer ist nach überstandener Oberschenkelverletzung und Covid-Erkrankung wieder fit. Sollte es dennoch zu Ausfällen kommen, könnten auch Zakaria oder Ramy Bensebaini in der Innenverteidigung aushelfen, so wie sie es in der Hinrunde schon getan haben.

Contra

Nicht zu vergessen ist jedoch, dass Ginter sich in den vergangenen Jahren bei den Fohlen abgerackert hat. Höhepunkt war die Spielzeit 2020/21, in der der 27-Jährige alle Klub-Pflichtspiele von Anfang bis Ende durchgespielt hat. fussball.news berichtete über den Dauerbrenner der Fohlen und wählte ihn zum Spieler der Saison. Auch in dieser Runde stand Ginter, insofern er einsatzbereit war, immer in der Anfangsformation - bis eben zuletzt gegen Leverkusen.

Ginter ist nicht irgendwer! Mit Deutschland wurde er 2014 Weltmeister und drei Jahre später gehörte er zur Auswahl, die den Confederations-Cup gewann. 46 Einsätze in der A-Nationalmannschaft lassen den gebürtigen Freiburger als einen wichtigen Rückhalt im DFB-Team erscheinen. Dass er jetzt für Gladbach aus sportlichen Gründen nicht mehr gut genug sein soll, ist so nur schwer nachzuvollziehen.

Zudem ist Ginter ein bodenständiger Typ, der sich nie etwas zu Schulden kommen lassen hat. Eskapaden und Disziplinar-Verstöße gab es nicht. Steht er auf dem Platz, ist er immer mit Herz und Seele dabei - auch wenn ihm mal der eine oder andere Fehler unterläuft. In der Kabine war er stets als Führungsspieler geschätzt und engagierte sich auch abseits des grünen Rasens für seine Mitmenschen. Nach viereinhalb Jahren Zugehörigkeit hat er einen angemessenen Abschied verdient!

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Tom Jacob  
18.01.2022