Mythos Finanzen

Faktor Bobic: Deshalb zieht es acht Eintracht-Funktionäre zur Hertha

Fredi Bobic ist seit dem Sommer Sportboss von Hertha BSC. Foto: Getty Images

Mit Thomas Broich fand zuletzt der achte Mitarbeiter den Weg von Eintracht Frankfurt zu Hertha BSC. Der Hauptgrund für den Wechsel: Frankfurts ehemaliger Sportvorstand Fredi Bobic, der nun als Geschäftsführer in Berlin den Takt vorgibt. Doch warum folgen so viele Frankfurter ihrem (Ex-)Chef nach Berlin nach? Das Gehalt jedenfalls spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Von fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

So manches Umzugsunternehmen dürfte sich in den letzten Monaten ein goldenes Näschen verdient haben bei den Bewegungen, die es von Frankfurt nach Berlin gegeben hat. Fredi Bobic gab im Sommer seinen Posten als Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt auf, um als Geschäftsführer zur Hertha zu wechseln. Danach folgten bis zum Dezember noch acht(!) weitere Mitarbeiter der Eintracht nach Berlin. Im Management der Hertha arbeiten mittlerweile Thomas Westphal (Teammanager) und Sebastian Zelichowski (Technischer Direktor), im Trainerstab Gabor Ruhr (Chefanalyst), Matthias Borst (Technischer Mitarbeiter) und Jerome Polenz (Co-Trainer U23), im Scouting Babacar Wane (Chefscout) und Enis Hajri (Scout) sowie im Jugendbereich ab dem 1. Januar Thomas Broich als Leiter Methodik. Acht Mitarbeiter, die ihrem Ex-Chef zur neuen Karrierestation folgen - das ist eine absolute bemerkenswerte Anzahl. Doch warum ist der Anreiz so groß, Fredi Bobic die Treue zu halten? Der sportliche Erfolg der Hertha hält sich mit Tabellenplatz 14 in der Bundesliga in Grenzen. Auf absehbare Zeit kann man die Berliner wohl kaum als Anwärter auf einen Europacupplatz ansehen. Ein naheliegender Anreiz ist natürlich das Thema Geld, schließlich haben die Berliner mit Lars Windhorst einen bislang investitionsfreudigen Investor an der Seite. Doch nach fussball.news-Informationen liegen die Gehaltsstrukturen für Funktionäre in Berlin aktuell noch hinter jenen in Frankfurt zurück. fussball.news hat mit Bobic-Vertrauten Hintergrundgespräche geführt und nennt drei Gründe, warum die ehemaligen Eintracht-Mitarbeiter nun unbedingt wieder mit Fredi Bobic zusammenarbeiten wollen.

1. Die Perspektive des Projekts

Bei Eintracht Frankfurt war Fredi Bobic als Sportvorstand hauptverantwortlich für den steilen Aufstieg des Traditionsklubs zwischen 2016 und 2021. Der ehemalige Nationalspieler kam 2016 an den Main, kurz nachdem die Hessen sich über die Relegation in der Bundesliga gehalten hatten. In seiner ersten Saison führte Bobic den Klub ins Pokalfinale, 2018 dann zum Pokalsieg - und insgesamt zu drei Europa League-Teilnahmen. Mehrfach wurden nur knapp die Champions League-Plätze verfehlt. Bobic hat zahlreiche Reformen in Frankfurt durchgeführt. Ob Scouting, Infrastruktur oder die Kaderplanung: Bobic suchte den maximalen Erfolg. Dabei stand ihm ein äußerst geringes Budget zur Verfügung, er selbst sorgte aber dafür, dass die Eintracht dem Umsatz nach zu einem Top-Sechs-Klub aufstieg. Die Mitarbeiter in Frankfurt erlebten hautnah mit, wie Bobic mit akribischer Arbeit aus einem Fast-Absteiger einen Dauergast in Europa formte. Dieses kleine "Wunder vom Main" trauen sie ihm nun in ähnlicher Form auch in Berlin zu. Jeder Bobic-Vertraute, und das ist der erste große Anreiz, will ein weiteres Wunder vollbringen, weil er zugleich von der systematischen und intensiven Arbeitsweise von Bobic begeistert ist.

2. Authentizität und Transparenz 

Die Mitarbeiter schätzen an Bobic aber auch seine klaren, manchmal auch unangenehmen Worte und Entscheidungen - öffentlich wie intern. Erwartungen und Ziele werden mit jedem Mitarbeiter klar definiert, abgesteckt und evaluiert. Die Ansprüche sind hoch, die Mitarbeiter müssen unter Bobic leidensfähig sein. Der wiederum liebt es, wenn hart gearbeitet wird und lebt diesen Einsatz auch authentisch vor. Stagnation oder gar Faulheit duldet er nicht. Diese Arbeitsweise wissen viele Weggefährten zu schätzen. In der Branche gilt der ehemalige Frankfurter zudem als knallharter Verhandlungspartner, der für seinen Klub auf selbstbewusste Weise stets das Beste rauszuholen versucht. Als Projektarbeiter löst sich Bobic dabei von zu großen Emotionen, geht rational an Themen heran und kann so auch aus unternehmenstechnischer Sicht den maximalen Erfolg anpeilen.

3. Zuverlässigkeit in Person 

Das alles wiederum führt auch dazu, dass Bobic den Mitarbeitern, die seine Arbeitshaltung verinnerlicht haben, absolut treu und loyal gegenüber ist. Bei der Eintracht hat der Ex-Stürmer keinen einzigen Trainer entlassen. Niko Kovac durfte 2018 trotz Wechsel-Theaters (München) und zwischenzeitlicher sportlicher Krise im Amt bleiben. Auch Nachfolger Adi Hütter überlebte drei sportliche Krisenphasen unter Bobic. Intern hat Bobic den Coaches zwar regelmäßig Ansagen erteilt, so versichern es Insider des Klubs - nach außen hin aber stärkte Bobic ihnen stets den Rücken. Adi Hütter hat 2021 die Eintracht auch deshalb verlassen, weil er bei Borussia Mönchengladbach in Max Eberl einen ebenso verlässlichen Typen wie Fredi Bobic gesehen hat. Pal Dardai hingegen musste bei der Hertha gehen, weil dieser zum einen nicht von Bobic installiert wurde und zum anderen definierte Ziele nicht einhalten konnte. Auch da zeigte sich Bobic vor allem: konsequent! Eine Eigenschaft, die er in jedem Arbeitsbereich vorlebt und einfordert - und mit der er seine vertrauten Mitarbeiter begeistert. Nun wollen sie gemeinsam Erfolge bei der Hertha einfahren.

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Benjamin Heinrich  
18.12.2021