2. Bundesliga

Roundup: Darmstadt macht Aufstieg perfekt, St. Pauli wahrt Mini-Chance

Tietz stieß das Tor zur Bundesliga weit auf. Foto: Getty Images
Tietz stieß das Tor zur Bundesliga weit auf. Foto: Getty Images

In den Freitagsspielen des 33. Spieltags der 2. Bundesliga ist die erste Aufstiegsentscheidung gefallen: Dem SV Darmstadt ist nach einem 1:0-Heimsieg gegen den 1.FC Magdeburg die Rückkehr in die Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Im Parallelspiel wahrte der FC St. Pauli durch einen Auswärtssieg bei Holstein Kiel (3:4) seine kleine rechnerische Chance auf den Relegationsplatz.

Am Böllenfalltor war die Ausgangslage nach zwei vergebenen Matchbällen klar: Mit einem Heimsieg würden die Lilien den Aufstieg perfekt machen, bei einem Punktverlust käme es auf das Resultat des Hamburger SV gegen die SpVgg Greuther Fürth an. Große Nervosität war den Hessen nicht unbedingt anzumerken, Probleme mit den Gästen aus Magdeburg hatten sie dennoch bisweilen. Der FCM hatte sich bereits in der Vorwoche endgültig die Klasse gesichert und konnte so befreit aufspielen, wie es die Mannschaft von Christian Titz ohnehin immer tut. Dem Aufsteiger gehörte so auch die erste Chance der Partie, die Leon Bell Bell allerdings über das Tor jagte (8.). Fünf Minuten später wurde es erstmals auch im Angriff der Darmstädter gefährlich.

Ein langer Ball von Marcel Schuhen rutschte durch zu Marvin Mehlem, der steckte auf Phillip Tietz durch. Der Stürmer umkurvte zwar Torwart Tim Boss, sein Schuss wurde aber von Daniel Heber klar vor der Linie geklärt (13.). Im direkten Gegenzug kombinierte sich Magdeburg zur Top-Chance, die Schuhen gegen Mo El Hankouri stark vereiteln konnte (14.). Anschließend gelang es den Lilien besser, das Ballbesitzspiel der Gäste fernab der eigenen Gefahrenzone zu halten. Die nächste gute Gelegenheit hatte so erneut Tietz, der nach Freistoßflanke von rechts schräg drüber köpfte (22.). Seinen nächsten Hochkaräter nutzte der Torjäger zum Treffer, der das Tor zu Bundesliga weit öffnete.

Dabei wollte er eigentlich per Kopf ablegen, der Ball prallte vom Knie von Tobias Kempe zurück zu Tietz, der dann wuchtig zum 1:0 abschloss. Die Schiedsrichter entschieden zunächst auf Abseits, das Heber aber aufgehoben hatte. Der monierte, von Tietz zu Boden gestoßen worden zu sein, das Tor aber zählte nach VAR-Korrektur (38.). In der Schlussphase der ersten Hälfte drängte Darmstadt aufs beruhigende zweite Tor, kam aber nicht mehr zu einer Großchance. Anders Magdeburg, für das Jason Ceka per Direktabnahme eine Glanzparade von Schuhen heraufbeschwörte (45.+4). 

Zur Pause befand sich Darmstadt also auf Aufstiegskurs, hatte aber den ein oder anderen Warnschuss von Magdeburg erhalten. Nach dem Seitenwechsel gab es den nächsten davon, als Baris Atik bei einem Freistoß ausrutschte und die Kugel womöglich dadurch besonders gefährlich wurde, jedenfalls musste Schuhen einmal mehr auf der Hut sein (48.). Aufseiten der Hausherren verpasste Filip Stojilkovic die mögliche Vorentscheidung nach feiner Einzelleistung knapp (55.), kurz darauf lud ein schlimmer Fehlpass von Jamie Lawrence beinahe Mehlem ein; Boss war rechtzeitig zur Stelle und konnte klären, wobei Mehlem heftig in den Keeper rauschte, der nach längerer Behandlung aber weitermachen konnte (55.).

Die Unterbrechung sorgte für einen gewissen Leerlauf in der Partie, aus dem sie erst mit Anbruch der Schlussphase herausbrach. Dabei kam erneut Mehlem dem 2:0 nahe, seinem frechen Schuss aufs kurze Eck war Boss gewachsen (70.). Wenig später wurde eine Direktabnahme des kurz zuvor eingewechselten Marvin Honsak geblockt (72.), nach der folgenden Ecke bekam Patric Pfeiffer nicht genug Druck auf den Ball. Anschließend musste Schuhen seine nächsten beiden Heldentaten leisten: Erst rettete er nach Kopfball von Maximilian Ullmann in höchster Not vor dem einköpfbereiten Luca Schuler, dann drehte er den Nachschuss von Ceka zur Ecke am Pfosten vorbei (74.). Das ganz große Zittern blieb in der Folge aus, weil die Lilien taktisch clever agierten, das Spielgeschehen zumeist weit genug vom eigenen Tor halten konnten und auch an der Uhr drehten.

So brachte der SV Darmstadt den Sieg über die Zeit und machte den Aufstieg in die Bundesliga perfekt.

St. Pauli bewahrt die Mini-Chance

Im zweiten Freitagsspiel ging es für den FC St. Pauli darum, mit einem Sieg bei Holstein Kiel die theoretische Chance auf Platz drei zumindest bis Samstagabend aufrecht zu erhalten. Die Störche hatten derweil vor dem letzten Heimspiel den Sprung auf Rang sieben zum Ziel erkoren. Dem kam Kiel beinahe sehr früh nahe, Fin Bartels verpasste eine Hereingabe denkbar knapp. Wäre er an den Ball gekommen, hätte Robert Vasilj im Kasten der Gäste womöglich keine Chance gehabt (3.). So aber blieb es in der Anfangsphase ohne Tore, bei St. Pauli fehlte es dafür auch an den Offensivszenen. Druck machten die Hamburger erst, nachdem sie in Rückstand geraten waren.

Dazu kam es, nachdem sich Manolis Saliakas einen Querschläger leistete und seinen Mitspieler Karol Mets überraschte. Der schob so Bartels in den Weg von Vasilj, der den Angreifer dann unsanft abräumte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Steven Skrzybski souverän nach links unten (28.). Anschließend übernahm St. Pauli das Kommando, Kiel verlegte sich auf Konter. Bartels wähnte sich dabei auf dem Weg zum 2:0, doch Jakov Medic blockte entscheidend (33.). Eine Einzelleistung brachte die Gäste zurück ins Spiel: Oladapo Afolayan dribbelte von rechts ins Zentrum, hat dabei etwas Glück, am Ball zu bleiben und schloss letztlich ohne große Bedrängnis mit links ein. Thomas Dähne machte dabei nicht die beste Figur im Tor der Störche (39.). 

Insgesamt schmeichelte der unentschiedene Spielstand zur Halbzeit eher St. Pauli, das immer wieder individuelle Fehler eingestreut hatte. Auch nach Wiederbeginn fiel der erste Hochkaräter den Störchen zu, Fabian Reese fand mit einem Gewaltschuss in Vasilj seinen Meister (47.). Ein recht unnötiges Handspiel von Reese sorgte kurz darauf für die erste Gästeführung des Abends: Den folgenden Freistoß brachte Marcel Hartel scharf vors Tor, wo Hauke Wahl unglücklich ins eigene Netz köpfte, wobei der scheidende Abwehrchef nicht mehr ausweichen konnte, als Medic unter dem Ball hindurchgetaucht war (53.). Das Gegentor zeigte Wirkung, Kiel fiel keinerlei Antwort ein. Stattdessen legte St. Pauli sehenswert nach: Afolayan trieb die Kugel über halb rechts, setzte Lukas Daschner ein. Der nahm den Ball per Schlenzer direkt und hob so zum 1:3 in die Maschen (61.).

Die Partie schien damit entschieden, denn Kiel hatte weiter nichts entgegenzusetzen und ließ St. Pauli fröhlich zum vierten Treffer kombinieren. Ein Doppelpass von Leart Paqarada und Elias Saad hebelte die gesamte Defensive des KSV Holstein aus, letztlich war ein Schuss von Paqarada wohl auf dem Weg neben den Kasten, ehe Mikkel Kirkeskov hineinspritzte und das zweite Eigentor des Abends fabrizierte (74.). Diesmal gelang den Hausherren immerhin eine rasche Antwort: Im Nachgang eines Standards setzte Reese Marco Komenda ein, der kurz nach seiner Einwechslung ähnlich wie Daschner direkt schlenzte und zum 2:4 verkürzte (78.). Eine Slapstick-Einlage von Vasilj hätte das Spiel anschließend fast nochmal so richtig spannend gemacht: Der Keeper schoss bei einem Abschlag seinen Teamkollegen Jackson Irvine ab, Bartels schaltete fix und setzte Benedikt Pichler ein. Dessen Versuch wehrte Vasilj aufs Tordach ab und machte seinen Lapsus so wieder gut (80.).

Noch skurriler war der Platzverweis, den sich Afolayan anschließend einhandelte: Der bereits verwarnte Flügelspieler kehrte nach einer Verletzungsbehandlung ohne Aufforderung der Unparteiischen aufs Feld zurück und sah regeltechnisch folgerichtig Gelb-Rot (88.). In Überzahl drehten die Gastgeber weiter auf, in der Nachspielzeit sprang so der Anschluss heraus. Nach Ecke von links verlängerte Pichler, Reese nahm die Kugel so wuchtig direkt, dass Vasilj nicht mehr entscheidend ablenken konnte (90.+3).

Das ganz späte Comeback von Holstein Kiel blieb danach allerdings aus, sodass der FC St. Pauli noch Resthoffnungen auf die Relegation hegen darf. Dafür muss der Hamburger SV allerdings seine beiden letzten Spiele recht deutlich verlieren.

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Lars Pollmann  
19.05.2023