Skandalurteil?!

CAS-Urteil zu Manchester City: Waren Richter nicht unabhängig?

Pep Guardiola darf an der Champions League mit City teilnehmen.
Pep Guardiola darf an der Champions League mit City teilnehmen. Foto: Getty Images

Die Aufhebung der Europapokalsperre von Manchester City vor dem europäischen Sportgerichtshof CAS sorgte am 13. Juli für enormen Wirbel. Die neuen Enthüllungen lassen die Zweifel an dem Urteil wachsen.

Was Sport1 aus mehreren Quellen zusammengetragen hat, rückt das Urteil des europäischen Sportgerichtshof CAS noch einmal in ein anderes Licht. Unter dem Aktenzeichen CAS 2020/A/6785 Manchester City FC liefert die UEFA die Begründung dafür, die zweijährige Europapokalsperre aufzuheben und die Geldstrafe drastisch von 30 Millionen Euro auf zehn Millionen Euro zu senken.

Interessenkonflikt bei den Richtern?

Allerdings sollen zwei von drei Richtern in einem Interessenkonflikt gestanden haben. City empfahl für das eigene Verfahrung nämlich - wie auf Seite 14 nachzulesen ist -  den portugiesischen Anwalt Rui Botica Santos als Vorsitzenden des Gremiums. Die Regularien des CAS besagen eigentlich, dass dieser vom Chef der Berufungsschlichtungsabteilung ausgewählt werden müsste. Stattdessen nahm der CAS den Vorschlag an und winkte Santos "ohne Einwände" durch.

Liverpool drängte auf Entscheidung

Der Druck war zu diesem Zeitpunkt schon groß, weil unter anderem der FC Liverpool auf ein abgeschlossenes Verfahren vor Beginn der neuen Champions League-Saison drängte. Eine weitere Verzögerung sollte vermieden werden. Das zweite Panelmitglied Ulrich Haas wurde von der UEFA benannt, den dritten Teilnehmer durfte ManCity wählen - und entschied sich für Andrew McDougall. Der war in leitender Funktion bei einer Kanzlei in Abu Dhabi tätig, die unter anderem die Unternehmen Etihad Airways und Etisalat unterhält - zwei Sponsoren also von Manchester. Diese dementierten zwar, McDougall soll für diese Kunden nicht zuständig gewesen sein, die Wahl des Anwalts sei im "Einklang mit dem CAS-Code erfolgt". So fiel der Urteilsspruch letztlich mit 2:1 Stimmen für Manchester City aus.

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Christopher Michel  
30.07.2020