Altlasten der Vorgänger

Boldt und Mutzel üben Kritik: HSV glich einem "Pulverfass"

Mutzel und Boldt haben beim HSV eine schwere Aufgabe angenommen. Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images
Mutzel und Boldt haben beim HSV eine schwere Aufgabe angenommen. Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Hamburger SV hat nach dem erneut verpassten Aufstieg einmal mehr die Reset-Taste gedrückt. Immerhin musste dabei aber nur der Trainer gehen und wird die Mannschaft neu aufgestellt. Die sportliche Leitung um Jonas Boldt und Michael Mutzel blieb im Amt. Ständige Wechsel haben aus ihrer Sicht dem Verein nicht gut getan.

"Im sportlichen Bereich war das ein Pulverfass", erinnert Boldt gegenüber dem Magazin 11 Freunde seine Ankunft bei den Hanseaten. "Zahlreiche Leute waren freigestellt, wurden weiter bezahlt oder klagten gegen den HSV. Fast alle schieden im Unfrieden." Dass dies einem produktiven Betriebsklima im Wege steht, erklärt sich beinahe von selbst. Als eine der Hauptaufgaben für Boldt stand deshalb früh fest, für ein harmonischeres Miteinander zu sorgen. Dies mag nicht im Aufstieg Früchte getragen haben, war im Anschluss an das Saisonende aber doch erkennbar.

Bei Hecking ging es "nahezu geräuschlos"

Jedenfalls verweist der Sportchef durchaus zurecht auf die reibungslose Trennung von Dieter Hecking. "Ein respektvoller, nahezu geräuschloser Wechsel" sei dem HSV gelungen, weil das Klima zwischen Boldt und dem Chefcoach stimmte. Nachfolger Daniel Thioune bekommt in diesen Tagen derweil mit Simon Terodde die gewünschte Verstärkung im Sturm. Den Angreifer kann sich der HSV nur leisten, weil er Abstriche macht, um zum Traditionsverein zu kommen. Wirtschaftlich können die Rothosen ihrem Ruhm nicht gerecht werden.

"Viele Jahre mit Geld um sich geworfen"

"Wir müssen ein Stück weit ausbaden, dass hier viele Jahre lang mit Geld um sich geworfen wurde", kritisiert Mutzel. Der Sportdirektor ist im April 2019 aus Hoffenheim gekommen, er hat also mit belastenden Deals nichts zu tun gehabt. Der HSV hat viel zu lange als Auffangbecken für teure Durchschnittsspieler mit großem Namen gedient, sich so ins Bein geschossen und nachhaltig zurückgeworfen. Trotz der Strahlkraft des Klubs und der Metropole Hamburg kann der Verein lange nicht mehr mit kleineren Bundesligisten mithalten. "Zumindest, wenn es nur um die Bezahlung geht", wie Mutzel sagt.

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Lars Pollmann  
20.08.2020