Hertha-Sportchef übt Kritik

Bobic über Katar-Debatte: "Wer sind wir denn als Deutschland?"

Fredi Bobic hat sich zur Debatte über die Katar-WM geäußert. Foto: Getty Images.
Fredi Bobic hat sich zur Debatte über die Katar-WM geäußert. Foto: Getty Images.

Die Austragung der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft in Katar wurde in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig kritisiert. Fredi Bobic, Sportchef von Hertha BSC, sieht die Spieler allerdings weniger in der Verantwortung als die Verbände und plädierte dafür, weniger mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Die Vergabe der WM 2022 an Katar führte zu kontroversen Debatten. Im Juni vergangenen Jahres wurde in Norwegen sogar über einen Boykott des Turniers diskutiert, zuvor machte die norwegische Nationalmannschaft mit T-Shirt-Aktionen auf die Menschenrechtslage im Wüstenstaat aufmerksam. Unter anderem die deutsche Nationalmannschaft setzte ebenfalls ein Zeichen, beim Länderspiel gegen Island im März trugen die Spieler Shirts mit der Aufschrift "Human Rights".

Bobic: "Die Spieler selbst haben auf diese Themen gar keinen Einfluss"

Fredi Bobic sieht allerdings nicht die Spieler in der Verantwortung, einen Teil zum politischen Diskurs beizutragen: "Wir können darauf aufmerksam machen auf politischer Ebene. Das finde ich gut, aber die Spieler selbst wollen ihrem Sport nachgehen und haben auf diese Themen auch gar keinen Einfluss. Deswegen: Lasst sie Sport machen", sagte der Sportchef von Hertha BSC dem Sportbuzzer und betonte: "Man muss die Verbände hinterfragen, warum sie die Entscheidung treffen, dahin zu gehen. Die müssen sich positionieren, nicht die Spieler."

"Haben nicht das Recht, immer über alles zu urteilen"

Andererseits mahnte Bobic, man dürfe nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen: "Jetzt kommt also Katar – aber wer sind wir denn als Deutschland?" Er sei der Ansicht, "wir haben doch nicht das Recht als Deutsche, immer über alles zu urteilen, sondern sollten erst mal bei uns schauen, ob wir alles richtig machen", sagte der 50-Jährige, der im Zuge der Katar-Debatte einen Vergleich zum Confederations Cup 2013 und der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zog: "Da gab es riesige Unruhen und Korruptionsvorwürfe in Brasilien. Ein Jahr später sind wir da Weltmeister geworden und alle fanden es super und es hat keinen mehr interessiert."

Florian Bajus  
12.01.2022