Auf Bitte von Niakhate

Bei Mainz-Pleite in Augsburg: Trinkpause wegen Ramadan

Mainz-Kapitän Niakhate hält sich an die Regeln des Ramadan. Foto: Getty Images
Mainz-Kapitän Niakhate hält sich an die Regeln des Ramadan. Foto: Getty Images

Beim FSV Mainz 05 war der Ärger nach der Niederlage beim FC Augsburg am Mittwoch verständlicherweise groß. Eine klare Fehlentscheidung brachte die Heimmannschaft zur 1:0-Führung vom Elfmeterpunkt. Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck lag falsch und wurde in dieser Szene nicht vom Videobeweis gerettet. Mit einer anderen Entscheidung verdiente er sich aber den Respekt der Nullfünfer.

Dabei handelte es sich eigentlich um eine augenscheinlich vernachlässigbare Szene in der 2. Halbzeit, in der der Unparteiische bei einem Einwurf kurz mit der Spielfortsetzung wartete. Wie die Bild-Zeitung berichtet, räumte Jöllenbeck dabei aber eine Extra-Trinkpause für den Mainz-Verteidiger Moussa Niakhate ein. Der Kapitän ist praktizierender Muslim und hält sich so derzeit an die Regeln des Fastenmonats Ramadan. Demnach durfte Niakhate am Mittwoch um 19:54 Uhr sein Fasten brechen, weil mitten während des Nachholspiels in Augsburg der offizielle Sonnenuntergang erfolgte.

"Hätte er es verneint, hätte ich es komplett verstanden"

"Am Anfang der zweiten Halbzeit bin ich auf den Schiedsrichter zugegangen und habe ihn gefragt, ob es möglich wäre, das Spiel für einen kurzen Moment zu unterbrechen", erklärt der Franzose gegenüber dem Boulevardblatt. "Hätte er es verneint, dann hätte ich es komplett verstanden und mich damit abgefunden." Jöllenbeck aber zeigte Verständnis für die Situation von Niakhate und erlaubte die kurze Spielunterbrechung, damit der Abwehrmann etwas trinken konnte.

"Sowas hatte ich davor auch noch nie erlebt"

"Sowas hatte ich davor auch noch nie erlebt. Selbstverständlich habe ich dem aber zugestimmt", so Jöllenbeck, der hauptberuflich Arzt ist. In der Bundesliga spielen viele muslimische Profis, nicht alle halten sich während der Wochen des Ramadan an die Fastenregeln. Muslime, die in ihrem Beruf körperlich extrem beansprucht werden, können den Ramadan individuell verschieben, für Niakhate und viele andere gläubige Kicker kommt das aber nicht in Frage. 

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Lars Pollmann  
08.04.2022