Transfermarkt

Von wegen Coronakrise: Für diese Klubs spielt Geld keine Rolle

Leroy Sané (l.) und Timo Werner gehören zu den bisherigen Toptransfers des Sommers. Foto: Getty Images

Aufgeblähte Kader, finanzielle Sorgen – der europäische Fußball ist durch die Coronakrise schwer gebeutelt und so gut wie jeder Klub plant mit erheblichen Verlusten. Doch für ein paar Vereine heißt es weiter: Klotzen statt kleckern! Fast so als wäre nie etwas gewesen.

Am Ende war es für die Bundesliga eine Existenzfrage. Der Re-Start war eigentlich unausweichlich, um so manchen Klub weiter solvent zu halten – trotz der erheblichen Einbußen durch die „Geisterspiele“. Viele Experten prophezeiten ein Umdenken im Fußballbusiness, ein Ende der immer weiter ausufernden Gehälter und Ablösesummen. Doch betrachtet man den aktuellen Transfermarkt, die Gerüchteküche und Kaderplanungen einiger europäischen Topklubs scheint da nicht allzu viel dran gewesen zu sein.

FC Bayern München

Im europäischen Spitzenfußball ist wohl kein Verein auf so stabilem Fundament gebaut wie der FC Bayern. Eigene Arena, schuldenfrei und in der Champions League auch in dieser Saison absolut konkurrenzfähig, gar einer der Titelanwärter. Doch die Münchener gehörten nach der Coronakrise zu den ersten, die Nägel mit Köpfen gemacht haben. Für die vermeintliche Schnäppchensumme von 50 Millionen Euro holten die Verantwortlichen Nationalspieler Leroy Sane an die Isar, statteten den 24-Jährigen mit einem ordentlichen Jahressalär aus, obgleich er nicht zum Topverdiener aufstieg. Aber auch die Vertragsverlängerungen von Keeper Manuel Neuer und Urgestein Thomas Müller (beide bis 2023) ließ sich der FC Bayern einiges kosten. Der angestrebte Verbleib von David Alaba dürfte ebenso nicht gerade billig werden. Auch der deutsche Rekordmeister plant mit Einnahmeverlusten, kann aber dennoch ziemlich unbeeindruckt durch die Krise gehen.

FC Chelsea

Timo Werner hat den Weg schon von RB Leipzig an die Stamford Bridge gefunden. Über 50 Millionen Euro gab der FC Chelsea für den deutschen Nationalspieler aus. Der Transfer von Hakim Ziyech war zwar schon früher fix, kostet die „Blues“ aber auch 40 Millionen Euro. Damit aber nicht genug: Die Engländer wollen ebenso Kai Havertz von Bayer Leverkusen verpflichten, gelten als heißester Anwärter und dürften auch da nochmal tief in die Tasche greifen. Die Verantwortlichen um Rudi Völler rufen für den 21-Jährigen eine dreistellige Ablösesumme auf – für viel weniger dürfte Havertz den Arbeitgeber am Ende nicht wechseln. Das würde insgesamt schon eine Summe von fast 200 Millionen Euro bedeuten – von Coronakrise ist in London nichts zu spüren. Auch weil dort durch die Transfersperre zuletzt einiges eingespart wurde.

Manchester United

Die Königsklasse weiter im Blick will Manchester United auch seinen Kader weiter aufwerten. Die Gerüchte um Jadon Sancho von Borussia Dortmund halten sich hartnäckig. Der Engländer soll Transferziel Nummer eins sein, alleine die aufgerufene Ablöse stellt sich noch als Hürde dar. Der BVB will um die 120 Millionen Euro für den Youngster, bei United soll die Schmerzgrenze bei 88 Millionen Euro erreicht sein, weil man in der Krise nicht unglaubwürdig werden will – für Coronazeiten dennoch eine stattliche Summe. Auch Bayerns Thiago und Florenz-Star Chiesa sollen dort auf der Liste stehen. Die Glazer-Familie steht weiter als Investor hinter dem Klub aus Manchester, dürfte die Coronakrise abfedern.

Manchester City

Bislang hat das Team von Trainer Pep Guardiola zwar nur Rechtsverteidiger-Talent Yan Couto für sechs Millionen Euro aus Brasilien verpflichtet, das dürfte aber nicht der letzte Transfer von Manchester City gewesen sein. Auch hier halten sich die Gerüchte weiter hartnäckig in Sachen Toptransfers, nachdem City sich in der Premier League Primus FC Liverpool geschlagen geben musste. Ob David Alaba vom FC Bayern, Kalidou Koulibaly vom SSC Neapel oder Lautaro Martinez von Inter Mailand – die Gerüchte zeigen: Die Engländer sind auf der Suche nach absoluten Verstärkungen und Hochkarätern. Nachdem Guardiola und sein Team in der kommenden Saison nun doch in der Champions League ran dürfen, könnte auch auf dem Transfermarkt der Großangriff folgen. Trotz Corona.

Für die meisten anderen Klubs heißt es allerdings den Gürtel enger schnallen. In Spanien beispielsweise transferierte der FC Barcelona zuletzt Arthur zu Juventus Turin, um im Gegenzug Miralem Pjanic nach Spanien zu lotsen. Ein verkappter Tauschdeal unter Topstars. Ein Modell, das neben Leihgeschäften in diesem Sommer Mode werden könnte. Und auch Barca-Konkurrent Real Madrid machte zuletzt deutlich, dass man bei den Königlichen auf Toptransfers in diesem Sommer verzichten werde. Präsident Florentino Perez verkündigte zuletzt im Interview bei El Transistor vielmehr: „Die Lage ist sehr schlecht. Es wäre schwierig, unsere Spieler um Gehaltseinsparungen zu bitten, um dann große Transfers zu tätigen.“ So geht es den meisten Klubs, aber eben nicht allen.

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Benjamin Heinrich  
23.07.2020