Umbruch bei Barcelona?

Barca-Experte Falk: An diesen 4 Stellschrauben muss gedreht werden

Der FC Barcelona muss sich neu (er-)finden.
Der FC Barcelona muss sich neu (er-)finden. Foto: Getty Images

Der FC Barcelona erlebte nach dem Re-Start eine ganz schwache Phase in der LaLiga und musste Real Madrid den Titelgewinn überlassen. Doch die Probleme sind tiefgreifend, gegen den SSC Neapel (1:1) droht schon im Achtelfinale das Ende der Champions League-Träume. Experte Patrick Falk erwartet vor allem vier Veränderungen.

Es berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Beinahe 30 Jahre: So alt war die Startaufstellung des FC Barcelona direkt nach dem Re-Start bei dem Duell auf Mallorca. Fünf Profis hatten die drei ganz vorne stehen, einzig Frenkie De Jong (23 Jahre) und Ronald Araujo (21) waren unter 25 Jahre. Patrick Falk, Ex-Profi unter anderem bei Eintracht Frankfurt, begleitet die Katalanen seit Jahren schon. Der Spielerberater der FAS Sportmanagement GbR ist regelmäßig zu Besuch bei Barcelona, er weiß wie das Umfeld tickt und kennt die Stärken und Schwächen der Mannschaft genau.

Bei Barcelona steht "zu viel Erfolg" auf dem Platz

Im Gespräch mit fussball.news kritisierte Falk scharf: "Da steht viel zu viel Erfolg auf dem Platz. Die Spieler sind zu satt." Ob Gerard Pique, Marc-Andre ter Stegen, Jordi Alba, Lionel Messi, Antoine Griezmann oder Luis Suarez: Sie alle eint, dass sie die größten Titel der Welt gewonnen haben und sich mit der Motivation gegen den Durchschnitt aus der heimischen Liga inzwischen schwer tun. An einem Galatag ist alles drin, doch davon gibt es immer weniger. Ob im Achtelfinale der Champions League gegen den SSC Neapel einer folgt? Ungewiss!

Team muss jünger werden

Falk forderte deshalb in erster Instanz: "Barcelona muss sein Team verjüngen. Für eine komplette Saison reicht es so nicht mehr." Immerhin seien mit Ansu Fati und Riqui Puig wieder zwei Megatalente aus der La Masia hochgekommen. Doch ein Umbruch ist nur dann möglich, wenn ein klarer Cut gelingt. Ivan Rakitic, Arturo Vidal, möglicherweise auch bald Sergio Busquets, Jordi Alba oder Pique können dabei kaum noch mitwirken.

Xavi- und Iniesta-Lücke schließen

Zudem müsse die Lücke geschlossen werden, die Xavi (2015) und Andres Iniesta (2018) hinterließen. Bis zum heutigen Tag fehle es in dieser zentralen Rolle an brauchbarem Ersatz, wobei Falk Eigengewächs Puig in diese Rolle durchaus reinschlüpfen sieht. Diese Verjüngungskur gelinge insgesamt aber nur, wenn wieder "hungrige" Spieler, die noch Lust auf Titel haben, dazukommen. "Dani Alves, Jordi Alba, Ivan Rakitic, Samuel Eto'o, Neymar oder Luis Suarez", nannte Falk Beispiel aus den vergangenen Jahren. Sie alle kamen mit Lust auf Titelgewinne als internationale Topstars und entwickelten sich in Barcelona zu Weltklassespielern.

Abwehr wackelt bedenklich

Punkt drei ist für den früheren Profi aber die Abwehr, mit 38 Gegentreffern teilten sich Barca in dieser Kategorie Rang fünf zusammen mit Bilbao - eine schwache Bilanz. Der 2018 geholte Clement Lenglet schlug zwar voll ein, doch vor allem die ausbleibende Entwicklung von Samuel Umtiti sorgt für Probleme. Der bei der Weltmeisterschaft 2018 noch so herausragend agierende Franzose ist zu häufig verletzt, er fehlte in seinen vier Jahren bei den Katalanen bereits weit über 200 Tage und 65 Pflichtspiele. "Aus einer Mauer wurde ein löchriger Zaun", zog Falk ein bitteres Fazit über den 26-Jährigen. Pique bringt zwar noch Leistung, wird aber nicht jünger. Da Sommer-Neuzugang Junior Firpo nicht überzeugt, muss Alba weiterhin dauerhaft auf der linken Seite heran, wird kaum entlastet. Und weshalb Nelson Samedo nicht zum Zug kommt, sorgt auch bei Falk für Fragezeichen: "Er wäre der stärkste Mann auf der rechten Verteidigerposition." Den nicht für Sprintstärke bekannten Sergi Roberto sähe er im zentralen Mittelfeld besser aufgehoben. Es passt hinten also nicht so ganz zusammen.

Neuer Trainer nötig

Viertens wünscht sich Falk auch einen neuen Trainer für Barcelona. Die Entlassung von Ernesto Valverde im vergangenen Winter bezeichnet der 40-Jährige weiterhin als "Hohn", Nachfolger Quique Setien hingegen habe keine Linie und wirke teilweise überfordert. Den Wunschcoach von Lionel Messi hält auch Falk für einen guten Kandidaten: Der mit Leeds United aufgestiegene Marcelo Bielsa. "Bielsa ist ein super Trainer. Er ist taktisch sehr stark und lässt tollen Offensivfußball spielen." Die Renovierungsarbeiten bei Barcelona - sie werden groß ausfallen müssen.

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Christopher Michel  
30.07.2020