Fehlende Einstellung

Aufarbeitung des Debakels: Hat Gladbach ein Mentalitätsproblem?

Zum im Boden versinken: Sechsmal mussten die Gladbacher den Ball aus dem Netz holen.
Zum im Boden versinken: Sechsmal mussten die Gladbacher den Ball aus dem Netz holen. (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Trainer, Spieler und Verantwortliche von Borussia Mönchengladbach waren ratlos. Mit dem Wort "unerklärlich" wurde die hohe 0:6-Niederlage gegen Freiburg abgestempelt. Erschreckend war vor allem die Einsatzbereitschaft der Fohlen, obwohl Wiedergutmachung angesagt war. Hat Gladbach ein Mentalitätsproblem?

Die Frage nach der fehlenden Einstellung gilt oft als Scheindiskussion und ist meist im Fußball nicht so einfach zu belegen. Nicht unter den Teppich kehren lassen sich dagegen die Statistiken, die zum Teil für sich sprechen und so auf mentale Schwächen hindeuten.

Verlorene Derbys als Nackenschlag

Gegen den "kleinen" Rivalen aus Leverkusen hat Gladbach saisonübergreifend die letzten vier Duelle verloren. Zuletzt gab es am 2. Spieltag eine 0:4-Pleite. Und auch im "großen" Rheinderby gegen den 1.FC Köln hatten die Fohlen zuletzt das Nachsehen. Nach einer 1:2-Heimniederlage im März setzte es vor eineinhalb Wochen eine 1:4-Klatsche in Köln. Gerade in diesen Duellen, die für die Fans von großer Bedeutung sind, konnte die Borussia in der jüngsten Vergangenheit nicht punkten.

Mangelnder Glaube nach Rückstand

Zudem: Siebenmal hat Borussia Mönchengladbach in dieser Saison schon zurückgelegen, erst einmal konnten die Fohlen dann noch einen Punktgewinn verzeichnen - beim 1:1 gegen Stuttgart. In allen anderen Begegnungen bedeutete ein Rückstand gleichzeitig eine Niederlage. Nur Greuther Fürth weist in dieser Statistik eine schwächere Bilanz auf. Gladbachs Glaube daran, das Spiel gegen Freiburg, nach einem frühen 0:2-Rückstand bei noch 85 zu gehenden Minuten, drehen zu können, wirkte demzufolge nicht groß. Statt einer Aufholjagd setzte es noch vier weitere Gegentreffer.

Abgang von Rose hat Nachwirkungen

Und ein weiterer Fakt sollte den Gladbachern zu denken geben: Nachdem Ex-Trainer Marco Rose seinen Abschied nach Dortmund verkündet hatte, holte die Elf vom Niederrhein in den verbleibenden 13 Partien der Saison 2020/21 nur 16 Zähler - ein Schnitt von 1,2 Punkten pro Spiel. Im Umfeld wurde der Moment von Roses Wechsel-Ankündigung oft als Grund für die Misere angeführt. Im Sommer war dann ein Neuanfang unter Trainer Adi Hütter erhofft worden, doch viel verändert hat sich - gemessen an der Punkteausbeute - bis jetzt nicht: 18 Zähler in 14 Bundesligabegegnungen ergeben einen Schnitt von 1,3 Punkten pro Partie.

Fazit

Es spielt im Fußball eine große Rolle, Widerstände zu überwinden, um zum Erfolg zu gelangen. Beim Gladbacher Team scheint diese Eigenschaft mittlerweile ein Knackpunkt zu sein. Vor den Aufgaben gegen Leipzig und Frankfurt gilt es für Trainer Adi Hütter nun, bei den Spielern auch mentale Aufbauarbeit zu leisten.

Tom Jacob  
07.12.2021