Welche Möglichkeiten hat Hütter?

Auf fast jeder Position doppelt besetzt? Ein Blick auf den Eintracht-Kader

Eintracht-Trainer Adi Hütter ist mit dem aktuellen Kader nicht unzufrieden.
Eintracht-Trainer Adi Hütter ist mit dem aktuellen Kader nicht unzufrieden. Foto: Getty Images

Eintracht Frankfurt ist mit einem 2:1-Sieg gegen die PSV Eindhoven mit einem Erfolg in die Vorbereitungszeit gestartet. Ist der für diese nominierte Kader weitestgehend derjenige, mit dem die Hessen in die nächste Saison gehen werden? Der Transfermarkt lahmt aufgrund von Corona, Bewegung gibt es aktuell keine. Trainer Adi Hütters Aussage steht auf dem Prüfstand.

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Als Adi Hütter auf mögliche Transfer angesprochen wurde, verwies der Trainer von Eintracht Frankfurt auf die bereits vorhandene Qualität im Kader: "Wir sind auf fast jeder Position doppelt besetzt." Man werde zwar bis zum 5. Oktober noch schauen, "ob etwas abfällt, was für uns interessant ist". Doch sicher ist dies keinesfalls, bislang jedenfalls gab es nur wenig Bewegung auf dem Transfermarkt.

Frankenbach erklärt die schwierige Situation

Ob sich die Situation im September verändert? Dies lässt sich in der Coronakrise, wo die Vereine mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben und nicht kalkulieren können, wann Zuschauer in die Stadien zurückkehren, nicht absehen. Eine weitere Saison ohne Publikum könnte die Eintracht etwa 60 bis 80 Millionen Euro kosten. "Dauerhaft wird man das sicherlich nicht überleben. Denn man muss jedem Kreditgeber klar und verständlich machen, wie man das zukünftig wieder auffangen kann. Transfererlöse sind eine Möglichkeit, aber keine dauerhafte Lösung", sagte Finanzvorstand Oliver Frankenbach dazu im kicker.

Eintracht im Tor gut aufgestellt

Umso wichtiger ist die Erkenntnis, dass der Kader der Frankfurter bereits eine gewisse Breite und Qualität mitbringt. Im Tor etwa greift Hütter auf Kevin Trapp zurück, Frederik Rönnow ist Stand heute die Nummer zwei. Kaum ein anderer Bundesligist bietet auf dieser Position wohl so viel Qualität.

Innenverteidigung steht stabil

Auch in der Innenverteidigung sieht sich der Klub gut gerüstet. Makoto Hasebe, Martin Hinteregger, Kapitän David Abraham, Evan N'Dicka, Tuta und Almamy Toure stehen für drei Positionen zur Verfügung. Toure kann zudem auch als Rechtsverteidiger agieren, Danny da Costa und Timothy Chandler stehen derzeit aber vor ihm. Allerdings zeigt sich hier das erste Problem: Dem Trio fehlt die offensive Durchschlagskraft für das System mit Dreierkette und hochstehenden Außenverteidigern.

Ein weiterer schneller Flügelspieler fehlt weiterhin

Ein dribbelstarker, schneller und bestenfalls noch torgefährlicher rechter Außenbahnspieler würde dem Team definitiv helfen. Neuzugang Steven Zuber bringt zwar Variabilität mit. Der 29-Jährige kann alle Positionen in der Offensive bekleiden und der Tausch gegen Mijat Gacinovic ist somit ein kluger Schachzug gewesen. Doch das so dringend benötigte Tempo bringt auch der Schweizer nicht mit.

Kostic unumstritten - Ruhepausen möglich dank Zuber

Auf der linken Seite ist freilich Filip Kostic gesetzt. Da Hütter wohl nur punktuell auf Viererkette umstellen wird, befinden sich die Hessen nach fussball.news-Informationen nicht zwingend auf der Suche nach einem Linksverteidiger. Erik Durm und Jetro Willems haben wohl keine Zukunft mehr in Frankfurt. Mit Zuber ist ein Akteur gekommen, der Kostic vertreten und ihm Pausen ermöglichen kann.

Auch im Zentrum doppelt besetzt

Im defensiven Mittelfeld sind Dominik Kohr und Sebastian Rode gesetzt, mit Stefan Ilsanker, Djibril Sow und notfalls auch Hasebe ist ordentlicher Ersatz vorhanden. Aymen Barkok agiert etwas offensiver, bei Daichi Kamada kämpft die Eintracht um eine Vertragsverlängerung. Der Japaner zeigte bei seinem Treffer gegen Eindhoven erneut seine Fähigkeiten. Ohne Doppelbelastung gilt auch hier: Die Frankfurter sind absolut ausreichend gesetzt, wobei ein weiterer Kreativspieler gut täte.

Mit Ache eine neue Komponente im Sturm

Im Sturm hat Hütter inzwischen deutlich mehr Variationsmöglichkeiten. Zu dem kantigen Angreifer Bas Dost, dem technisch begabten Andre Silva und dem kopfballstarken Goncalo Paciencia kam der pfeilschnelle Ragnar Ache hinzu. Der U-21-Nationalspieler sucht die Tiefe, er ist oft nur mit Fouls zu bremsen. Natürlich wird Ache noch Zeit benötigen und sich anpassen müssen. Doch er hat Dejan Joveljic, der erneut verliehen werden soll, vorerst den Rang abgelaufen.

Hütter liegt mit seiner Aussage richtig

Fazit: Ausgehend davon, dass die Eintracht keine weiteren Schlüsseltransfers tätigt und die Leistungsträger Trapp, Hinteregger und Kostic bleiben, ist der Kader für eine Spielzeit ohne Europapokal im System mit Dreierkette gerüstet. Das weiterhin fehlende Tempo auf der rechten Außenbahn könnte ausgeglichen werden, wobei die Lösungen dafür nicht optimal sind. Auf einen neuen kreativen zentralen Mittelfeldspieler oder Linksverteidiger könnte Hütter angesichts der jetzigen Mannschafts-Zusammensetzung in diesem schweren Transfersommer noch verzichten. Die Baustelle Rechtsaußen zu schließen sollte aber das große Ziel von Sportvorstand Fredi Bobic und Hütter sein. Insgesamt aber hat Hütter mit seiner Aussage, "auf fast jeder Position doppelt besetzt zu sein", richtig gelegen, wie auch der 2:1-Testspielsieg bei der PSV Eindhoven mit zwei unterschiedlichen Mannschaften zeigte - eine wichtige Erkenntnisse in diesem zähen, schwierigen Transfersommer.

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Christopher Michel  
24.08.2020