Kritik am Berliner Konzept

Andrich über Hertha-Nachwuchs: "So richtig oben ankommen tun nur wenige Spieler"

Auch mit Bayer 04 Leverkusen war Robert Andrich (l.) gegen seinen Ex-Klub Hertha BSC als Torschütze erfolgreich. Die Partie am 11. Spieltag endete 1:1-Unentschieden.
Auch mit Bayer 04 Leverkusen war Robert Andrich (l.) gegen seinen Ex-Klub Hertha BSC als Torschütze erfolgreich. Die Partie am 11. Spieltag endete 1:1-Unentschieden. (Foto: John MACDOUGALL/AFP)

Trotz bester Nachwuchsakademie hat es Hertha BSC in den vergangenen Jahren oft verpasst, große Talente in die erste Mannschaft zu integrieren. Davon kann auch Robert Andrich ein Lied singen, der heute zum Stammpersonal von Bayer 04 Leverkusen gehört.

"Man spricht immer davon, dass die Nachwuchsarbeit bei der Berliner Hertha eine der besten Deutschlands ist. Aber so richtig oben ankommen tun nur wenige Spieler", äußerte sich Andrich im Interview mit TAG24. Elf Jahre lang kickte der gebürtige Potsdamer für Hertha BSC, durchlief dabei mehrere Jugendabteilungen und schaffte es sogar in die U-Nationalmannschaften. Erstliga-Tauglichkeit traute man ihm in der Hauptstadt aber nicht zu - wie so einigen anderen Kollegen vor und nach ihm. "Woran das liegt, kann ich nicht so genau bewerten. Ich kann da nur aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen."

Andere Klubs zeigen bessere Perspektiven auf

Andrich erklärte: "Wenn die sportliche Führung darauf setzt, junge Spieler oben ankommen zu sehen, dann wird es für die 17- oder 18-Jährigen leichter. Ist das nicht der Fall, gehen viele Talente weg, weil sie woanders eine bessere Perspektive aufgezeigt bekommen." Bestes Beispiel ist aktuell auch Luca Netz. Der 18-Jährige wurde in Berlin lange als Wunderkind gehypt. Zwar feierte der offensive Linksverteidiger in der vergangenen Saison sein Bundesliga-Debüt für die Hertha, doch mittlerweile läuft er im Trikot von Borussia Mönchengladbach auf.

"Das war für mich kein alltägliches Match"

Für Andrich, der seinen Weg anderweitig ging, ist das Kapitel längst abgehakt. Umso größer war daher die Genugtuung, als er knapp fünf Jahre nach seinem Hertha-Abschied für den Lokalrivalen Union Berlin auflief und auch noch mit 1:0 gegen seinen Ex-Klub gewann. "Mir war es sehr wichtig den Leuten zu zeigen: 'Ich kann Bundesliga spielen! Ich habe es durch Umwege geschafft.' Trainer der Hertha war Ante Covic, der einst mein U23-Trainer war. Das war für mich kein alltägliches Match mit Union", so Andrich. Der 27-Jährige ist unterdessen zu einem gestandenen Bundesliga-Profi gereift, der für Bayer 04 Leverkusen sogar auf internationalem Boden seine Schuhe schnürt.

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Tom Jacob  
15.01.2022