Ex-Profi hofft auf "mehr Action"

50+1 und Angriffszeit - Aogo stößt Veränderungen im Profi-Fußball an

Laut Dennis Aogo wird sich der Fußball in Zukunft verändern müssen. Foto: Getty Images.
Laut Dennis Aogo wird sich der Fußball in Zukunft verändern müssen. Foto: Getty Images.

Der Profi-Fußball wird sich in den kommenden Jahren der Herausforderung stellen müssen, sich an die moderne Gesellschaft anzupassen. Dennis Aogo schlägt diesbezüglich eine bestimmte Angriffszeit wie im Basketball vor und plädiert dafür, die 50+1-Regel in der Bundesliga abzuschaffen.

In Deutschland dominiert seit 2013 der FC Bayern, in Frankreich ist Paris St. Germain das Maß aller Dinge, in Italien war Juventus Turin bis zuletzt unaufhaltsam, in Spanien haben Real Madrid und der FC Barcelona das Sagen und auch in England hebt sich die Gruppe um Manchester City, dem FC Chelsea und FC Liverpool immer mehr vom Rest ab. Die schwindende Spannung in den nationalen Meisterschaften gepaart mit einer geringeren Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer stellt den Fußball laut Dennis Aogo vor schwere Aufgaben: "Der Fußball scheut sich extrem vor Veränderungen, doch in den nächsten drei bis fünf Jahren sollte er intensiv darüber nachdenken. Wenn man weiter daran festhält, Tendenzen zu ignorieren, wird der Fußball an Kredit verlieren und - so wie er jetzt besteht - in 20, 30 Jahren nicht mehr Volkssport Nummer eins sein", warnte der ehemalige Abwehrspieler im Interview mit dem kicker.

Aogo: "Das hat sich einfach verändert"

"Ich kenne niemanden mehr, der sich heutzutage 90 Minuten ein Fußballspiel anguckt und währenddessen nicht irgendwelche anderen Dinge auf seinem Handy anstellt. Das hat sich einfach verändert", betonte Aogo, der unter anderem dafür plädierte, Fans mit digitalen Inhalten wieder stärker an das Spiel zu binden. Darüber hinaus stieß der 35-Jährige die Idee an, wie im Basketball einen bestimmten Zeitrahmen einzuführen, innerhalb dessen eine Mannschaft ihren Angriff abschließen muss, ehe der Gegner den Ball erhält: "Es würde mehr Risiko ins Spiel kommen und damit mehr Action."

Fußball zu konservativ? "Dann heißt es: Es hat bislang doch funktioniert"

Mit konkretem Bezug auf die Bundesliga sprach sich Aogo zudem für eine Abschaffung der 50+1-Regel aus: "Ich sage ganz klar ja, dazu stehe ich. Anders wird es auch schwer möglich sein, international wettbewerbsfähig zu agieren." Doch auch darüber hinaus gelte es, sich Neuerungen zu öffnen und die bisher konservative Haltung abzulegen: "In allen Branchen versucht man sich anzupassen, nur im Fußball nicht. Das ist typisch und war schon zu meiner aktiven Zeit so. Dann heißt es immer: Es hat doch bislang auch noch funktioniert. […] Ich rate einfach daran, sich dafür zu öffnen, mutig zu sein, neue Wege einzuschlagen."

Florian Bajus  
14.02.2022