Krösche gefordert

3 Probleme in Eintrachts Transferstrategie

Markus Krösche kann mit seinen Transfers bislang nicht uneingeschränkt zufrieden sein. Foto: Getty Images

Nach dem durchwachsenen Saisonstart wurde bei Eintracht Frankfurt auch die Kritik an Sportvorstand Markus Krösche lauter. Die Neuzugänge haben bislang noch nicht so gut eingeschlagen wie gewünscht und die Frage nach der Strategie drängt sich immer mehr auf.

Jesper Lindström (Bröndby / 7 Millionen Euro), Jens Petter Hauge (AC Mailand./ Leihe mit Kaufpflicht), Rafael Borre (River Plate / ablösefrei), Sam Lammers (Atalanta / Leihe), Kristijan Jakic (Dinamo Zagreb / Leihe mit Kaufoption): Diese Transfers tätigte der neue Sportvorstand Markus Krösche bei Eintracht Frankfurt im vergangenen Sommer. Zuvor wurden bereits Christopher Lenz (Union Berlin / ablösefrei) und Fabio Blanco (FC Valencia Jug. / ablösefrei) verpflichtet. Der Transfersommer gestaltete sich schwierig. Jakic und Borre stellen bislang ordentliche Verstärkungen in der Breite dar, die Abgänge von Andre Silva (RB Leipzig) und Amin Younes (suspendiert) konnten damit - Stand jetzt - aber nicht aufgefangen werden. Das liegt vor allem daran, dass die Transferstrategie Krösches drei Probleme aufwies, die fussball.news erklärt. 

1. Das Warten auf den Topverkauf

Lange spekulierte Markus Krösche darauf, noch einen Leistungsträger zu einem marktgerechten Preis verkaufen zu können. Im Gespräch waren Spielmacher Daichi Kamada, die Innenverteidiger Evan N'Dicka und Martin Hinteregger sowie Linksaußen Filip Kostic. Letzterer wollte auch weg, das Angebot von Lazio Rom war aber aus Eintracht-Sicht fast schon unverschämt niedrig, sodass der Verbleib des Serben in Frankfurt wohl alternativlos blieb. Problem: Weil auch der Verkauf von Silva durch eine Ausstiegsklausel nicht den großen Erlös erbrachte und kein weiterer Leistungsträger verkauft werden konnte, blieb Krösches Budget für neue Spielerverpflichtungen geringer als erhofft. Das zeigte sich vor allem bei der Verpflichtung von Sam Lammers, der nicht als erste Wunschlösung für den Angriff galt.

2. Zu wenig Soforthilfen

Die Eintracht verpasste in der vergangenen Saison auf den Zielgeraden die Qualifikation für die Champions League. Das verunsicherte das Team und offenbarte zugleich das Problem, dass es an echten Führungsspielern mangelt. Dennoch verzichtete Krösche im Sommer auf die Verpflichtung von gestandenen Bundesligaspielern, die den Frankfurtern sofort helfen können. Stattdessen kamen Perspektivspieler wie Lindström und Hauge an den Main. Die können mittelfristig wahrscheinlich helfen, deuten situativ auch immer wieder ihr Potential an, doch bis zum Status einer echten Verstärkung braucht es noch Zeit.

3. Fehlender Ballmagnet

In der Saison 2017/18 war Kevin-Prince Boateng der Leader der Eintracht, der zudem als sichere Anspielstation im Spiel der Hessen fungierte. Nachdem in der Saison danach die "Büffelherde", die Stürmer Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic, mit Wucht in der Offensive agierte, hatte die Eintracht in der stärksten Phase der vergangenen Saison mit Amin Younes einen "Ballmagneten", den seine Nebenmänner immer anspielen konnten - ohne dass dieser den Ball verlor. Ein solcher Akteure fehlt aktuell bei der Eintracht. Dabei wäre für die Sechserposition ein solcher Spieler wichtig gewesen. Stattdessen verpflichtete Krösche Jakic, der kämpferisch zwar überzeugen kann, aber kein Stratege ist. Ein Transfer von Khephren Thuram (OGC Nizza) scheiterte womöglich auch am schmalen Budget der Frankfurter.

Fazit: Durch äußere Faktoren, wie dem ausbleibenden Verkauf eines weiteren Leistungsträgers, und der Vorgabe, Transfererlöse zu erzielen, war Krösches Budget beschränkt. Die Strategie, auf Perspektivtransfers zu setzen, kann mittelfristig zwar aufgehen, kostet aktuell aber einige Punkte. In einer Transferphase lässt sich ein Kader nicht auf den Kopf stellen. Krösche betonte im Gespräch mit fussball.news im Sommer, dass er dafür womöglich sogar drei bis vier Phasen benötigt. Am Ende wird sich der 41-Jährige mit seinen Transfers an den sportlichen Ergebnissen messen lassen müssen.  

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Benjamin Heinrich  
13.11.2021