Stillstand, Transfers und die Trainerfrage

3 Gründe, wieso die Entlassung von Horst Heldt nachvollziehbar ist

Horst Heldt muss den 1. FC Köln nach weniger als zwei Jahren entlassen. Foto: Imago.
Horst Heldt muss den 1. FC Köln nach weniger als zwei Jahren entlassen. Foto: Imago.

Für die Entlassung von Horst Heldt muss sich der Vorstand des 1. FC Köln zwar Kritik gefallen lassen. Allerdings gibt es nachvollziehbare Gründe für das vorzeitige Ende der Zusammenarbeit, die ursprünglich bis mindestens 2023 laufen sollte.

Als Horst Heldt im November 2019 als neuer Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln vorgestellt wurde, schloss sich für den 51-Jährigen ein Kreis. Von 1987 bis 1995 spielte er für den FC, den er in den vergangenen Jahren stets als seinen Herzensverein bezeichnet hatte. Doch nach gerade einmal 19 Monaten wird der bis 2023 datierte Vertrag aufgelöst. fussball.news nennt drei Gründe, weshalb die Entscheidung der Klub-Bosse nachvollziehbar ist.

Keine Weiterentwicklung in Sicht

Laut den veröffentlichten Finanzkennzahlen der DFL hat der 1. FC Köln im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Personalaufwand in Höhe von 70 Millionen Euro betrieben. Im Liga-Vergleich belegen die Domstädter damit Platz zehn. Sportlich betrachtet verliefen die beiden Spielzeiten seit der Rückkehr in die Bundesliga deutlich brisanter. In der Saison 2019/20 feierte der FC auf Tabellenplatz 14 den direkten Klassenerhalt, in der zurückliegenden Spielzeit 2020/21 gelang dieses Unterfangen erst in der Relegation gegen Holstein Kiel. Gerade einmal acht Siege gelangen den Geißböcken, in 34 Spielen erzielten sie obendrein lediglich 34 Tore - so wenige wie in der Saison 2014/15, in der die Mannschaft allerdings den zwölften Tabellenplatz erreichen konnte; da statt 60 Gegentore 40 zu Buche standen und 12 anstelle von 17 Spielen verloren wurden.

Fehlgriffe auf dem Transfermarkt

Dass die Offensive durch den Abschied von Jhon Cordoba - in der Saison 2019/20 mit 13 Toren der beste Kölner Torschütze in der Bundesliga - geschwächt würde, lag auf der Hand. Als Nachfolger wurde Sebastian Andersson auserkoren, der für Union Berlin zwölfmal getroffen hatte. In Köln verbrachte er die meiste Zeit jedoch in der Reha, von Mitte Dezember bis Anfang April fiel der Angreifer aufgrund von Knieproblemen aus. Generell bewies Heldt ein äußerst unglückliches Händchen auf dem Transfermarkt: Tolu Arokodare, Dimitrios Limnios, Max Meyer und Ron-Robert Zieler spielten keine Rolle, Marius Wolf spielte zwar regelmäßig, offenbarte dabei aber mäßige Leistungen und Emmanuel Dennis, im Winter als Andersson-Ersatz verpflichtet, kam offenbar auch abseits des Fußballfeldes nie so recht in Köln an. Lediglich Ondrej Duda wusste zu überzeugen, wenngleich der offensive Mittelfeldspieler sein Potenzial nicht über die gesamte Saison konstant entfalten konnte - da er zwischenzeitlich anstelle des verletzten Andersson in der Sturmspitze begann.

Vertragsverlängerung mit und zu späte Entlassung von Gisdol

Ein weiterer Kritikpunkt an Heldts Schaffen in Köln ist die Trainerfrage. So befand sich die Mannschaft unter der Leitung von Markus Gisdol nach einem zwischenzeitlichen Hoch in der Rückrunde 2019/20 rasch wieder auf dem absteigenden Ast und beendete die Saison mit zehn sieglosen Spielen und einer herben 1:6-Klatsche bei Werder Bremen. Dennoch wurde der Vertrag bis 2023 verlängert. Besserung war aber nicht in Sicht: An den ersten acht Spieltagen blieb Köln sieglos, erst gegen Borussia Dortmund gelang ein überraschender 2:1-Erfolg. Auf dem Papier schien Gisdol mit drei Siegen in vier Spielen (Spieltage 17 bis 20) das Ruder erneut herumreißen zu können, auf dem Spielfeld ließen die Seinen aber nahezu alles vermissen, um sich vorzeitig aus dem Abstiegskampf zu befreien. Die Offensive war zu berechenbar, das flügellastige und flankenreiche Spiel alles andere als effektiv. Erst unter Friedhelm Funkel gelang der Turnaround. Dass ein Trainerwechsel überhaupt stattfand, ist positiv anzumerken. Dass dieser allerdings erst im April vollzogen wurde, ist nicht nachvollziehbar. Um ein Haar kam er zu spät. 

Der 1. FC Köln tritt auf der Stelle

Eine Weiterentwicklung ließ sich unter Heldt nicht feststellen, im Gegenteil. Die Fehlgriffe auf dem Transfermarkt, auf dem der FC laut transfermarkt.de bei Einnahmen in Höhe von 15 Millionen Euro insgesamt 18,5 Millionen Euro investiert hat, waren angesichts der angespannten finanziellen Situation durch die Corona-Pandemie auf lange Sicht enorm kostspielig. Der Mannschaftskader muss verstärkt werden, Geld steht ohne Spielerverkäufe aber nicht zur Verfügung. Diese gehen mit einem Qualitätsverlust einher. Dass der Verein dem Abstiegskampf unter dem künftigen Trainer Steffen Baumgart entfliehen kann, wirkt unwahrscheinlich. Dafür trägt Horst Heldt zwar nicht die alleinige Schuld, allerdings besitzt er einen großen Anteil daran. 

Florian Bajus  
04.06.2021