Wechsel nach Berlin?

3 Gründe, warum Hinteregger nicht zur Hertha wechseln sollte

Martin Hinteregger (vorne) spielte eine starke Rückrunde in Frankfurt. Foto: Getty
Martin Hinteregger (vorne) spielte eine starke Rückrunde in Frankfurt. Foto: Getty

Martin Hinteregger hat offenbar die Option, Eintracht Frankfurt zu verlassen und zu Hertha BSC zu wechseln. Wie Sport1 berichtet, haben die Herthaner Interesse am Verteidiger der Hessen bekundet. Die Ablösesumme - der 29-Jährige besitzt einen Vertrag bis 2024 in Frankfurt - könnte zwischen drei und fünf Millionen Euro betragen. Doch wäre Hertha für Hinteregger wirklich der richtige Verein?

Ein Pluspunkt ist sicherlich, dass Klubchef Fredi Bobic Martin Hinteregger aus gemeinsamen Jahren bei Eintracht Frankfurt (2019 - 2021) kennt - und Bobic rettete Hinteregger schon mal in prekärer Lage. Als der Österreicher beim FC Augsburg provozierte, besaß Bobic trotzdem den Mut, Hinteregger fix zur SGE zu holen. Doch kann sich die Erfolgsgeschichte (u.a. Europa-League-Halbfinale), die man bei einem Verein gemeinsam erlebt hat, auch bei einem anderen wiederholen? Zumindest im Falle von Hinteregger sollte der Spieler selbst sich hinterfragen. Denn:

Unruhiges Umfeld bei Hertha

Hinteregger braucht ein stabiles Vereinsumfeld, das zu ihm hält, wenn es mal wieder zu Problemen kommt. Zuletzt verursachte Hinteregger gleich doppelt Wirbel: Zunächst machte er öffentlich, dass ihn die Eintracht schon längst habe verkaufen wollen. Zudem gab es bei der Organisation eines privaten Fußballturniers Aufregung, weil Hinteregger mit einem rechtsradikalen Politiker eine gemeinsame Firma gegründet hatte. Hinteregger kam am Ende noch einigermaßen glimpflich davon, weil er sich von dem Partner trennte. In einer Stadt wie Berlin aber, wo die mediale Wucht noch größer als in Frankfurt ist, könnte jede Verfehlung ihm deutlich schwerer zu schaffen machen. Zumal Berlins Ex-Trainer Felix Magath zuletzt betonte, dass der Zusammenhalt bei der Hertha intern kaum gegeben sei.

Abstiegskampf statt Champions League?

Hinzu kommt die sportliche Perspektive: Hinteregger kann mit Eintracht Frankfurt Champions League spielen. Er könnte bei aktiver Suche nach einem neuen Verein sicherlich einen Klub auf Europa-League-Niveau finden. Mit Hertha aber, das sich gerade vor dem Abstieg gerettet hat, würde er voraussichtlich die nächsten zwei Jahre eher um die Tabellenplätze 10 bis 18 spielen. Abstiegskampf statt Champions League? Will das Hinteregger wirklich?

Hinteregger als Führungsspieler gefordert

Außerdem werden bei der Hertha Führungsspieler gesucht, die das fragile Konstrukt in Berlin auf- und außerhalb des Platzes zusammenhalten. Wie fussball.news regelmäßig berichtet hat, wird Martin Hinteregger bei Funktionären und Spielern der Eintracht eher nicht als Führungsspieler angesehen. In der Rückrunde gab Hinteregger sogar das Amt des Vizekapitäns ab. Es wirkt so, als wolle Hinteregger gar kein Führungsspieler sein - die Erwartungshaltung in Berlin dürfte aber genau jene an ihn sein.

Natürlich kann sich Geschichte wiederholen. Martin Hinteregger und Fredi Bobic können auch in Berlin gemeinsam Erfolg haben. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings nicht  groß. Wobei es auch darauf ankommt, was man als Erfolg wertet. Ist die Maßgabe in Berlin ein Europacupplatz, dann ist dieses Ziel natürlich schwieriger zu erreichen, als wenn die Hertha nur den Klassenerhalt als Ziel ausgibt. Und es kommt eben darauf an, ob Martin Hinteregger seine sportlichen (und finanziellen) Ansprüche herunterschrauben will.

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Daniel Michel  
13.06.2022