Pokal-Pleite

3 Gründe, warum die Eintracht in Leverkusen eingebrochen ist

Enttäuschte Frankfurter: Martin Hinteregger, Aymen Barkok, Stefan Ilsanker und Kevin Trapp (v.l.). Foto: Imago

Am Ende sprach das Ergebnis eine deutliche Sprache. Mit einem 1:4 erlebte Eintracht Frankfurt bei Bayer Leverkusen mal wieder eine deftige Niederlage. Gründe für den Einbruch nach starkem Beginn gibt es genug. 

Eintracht Frankfurt erwischte bei Bayer Leverkusen im DFB-Pokal einen Traumstart. Schon nach sechs Minuten brachte Amin Younes die Hessen, zuvor stark herausgespielt, in Front. Andre Silva hätte kurz später sogar erhöhen können. Danach kam allerdings der Einbruch, der Ausgleich für Bayer per strittigem Handelfmeter und der Führungstreffer der Werkself direkt nach der Pause durch ein Abseitstor erwischten die Frankfurter zweimal kalt. Der fehlende Videobeweis in der 2. Runde des DFB-Pokals, der beim ersten Tor zumindest überprüft, das zweite annulliert hätte, ist sicherlich einer der Gründe für den unglücklichen Spielverlauf gewesen. Danach folgte aber ein Einbruch, der letztlich in einer sehr deutlichen Niederlage mündete. fussball.news nennt drei Gründe für den Leistungsabfall.

1. Der Kader nimmt in der Breite deutlich an Qualität ab

Das Fehlen von Linksaußen Filip Kostic war vorab klar, der Serbe ist nach wie vor im DFB-Pokal für die Eintracht gesperrt. Kurzfristig musste aber auch Djibril Sow (Geburt der Tochter) passen, der zuletzt stark performte. Zudem setzte Trainer Adi Hütter auch Kapitän David Abraham und Routinier Makoto Hasebe aus Rotationsgründen auf die Bank. Die Auswechslung von Spielmacher Amin Younes, der nach mehreren Schlägen auf die Achillessehne nach weniger als einer halben Stunde schon passen musste, tat dann ihr Übriges. In der Folge wurde deutlich, dass vor allem Stefan Ilsanker auf der Sechserposition und der eingewechselte Steven Zuber ihre Rollen nicht ansatzweise so ausfüllen können wie die zu vertretenden Akteure. Beide schwächen das Team in der aktuellen Form vielmehr statt weiterzuhelfen. Ohne Hasebe und Abraham zeigte sich auch die Defensive, die in den letzten drei Spielen zweimal zu Null spielte, vor allem im zweiten Durchgang anfällig und instabil. Das Leistungsgefälle innerhalb des Kaders wurde brutal offengelegt. Auch die Einwechselspieler Ajdin Hrustic, Timothy Chandler und Dominik Kohr konnten dem Spiel keine Wende mehr verleihen. Die Ausfälle von so vielen Leistungsträgern kann die Eintracht schlichtweg nicht kompensieren.

2. Abhängigkeit von Younes

Vor ein paar Wochen war Amin Younes bei Eintracht Frankfurt noch Ergänzungsspieler, kämpfte sich nach Jahren ohne große Spielpraxis an das Team heran. Mittlerweile hat sich der Offensivspieler zur unverzichtbaren Größe im Spiel der Frankfurter entwickelt, weil er Qualitäten mitbringt, die im Kader einzigartig sind. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Auswechslung des 27-Jährigen nach dem Ausgleich ein Knackpunkt des Spiels war. "Der Ausfall hat uns weh getan, weil er in absoluter Topform ist", sagte Verteidiger Martin Hinteregger. Younes' Ballsicherheit und sein Gefühl für das Spiel hat in der Folge gefehlt. Weder Daichi Kamada, der symbolhaft mehrfach im Abseits stand, noch Aymen Barkok konnten diese Rolle einnehmen. Die Eintracht hat eine Abhängigkeit vom Deutsch-Libanesen entwickelt. Der Aufschwung zuletzt mit drei Siegen in der Liga in Folge hängt auch ganz eng mit dieser Personalie zusammen. Ohne Younes allerdings wurde das Offensivspiel immer fahriger und weniger zielstrebig. Hütter und die Eintracht hoffen auf eine baldige Rückkehr.

3. Uninspiriertes Überzahlspiel

Sebastian Rode, der die Hessen in Abwesenheit von Abraham als Kapitän aufs Feld führte, sprach es nach dem Spiel deutlich an: "Ärgerlich ist es, dass wir es in Überzahl nicht geschafft haben, mehr Druck zu machen. Das müssen wir uns ankreiden lassen." Über 20 Minuten spielte Frankfurt beim Stand von 1:3 in Überzahl, kassierten damit sogar noch den vierten Treffer. Faktoren dafür sind auch die anderen beiden Punkte, die nicht vorhandene Qualität von der Bank, aber auch das Fehlen eines Spielgestalters wie Younes. Hütter wechselte vor dem Platzverweis gegen Jonathan Tah allerdings auch defensiv, brachte unter anderem Dominik Kohr für den offensiven Aymen Barkok. Das Ruder mit dem vorhandenen Personal dann nochmal rumzureißen, war schwierig. Die Hessen versuchten es mit Aktionismus, verloren dabei defensiv immer wieder die Ordnung, ohne dabei vorne die nötige Durchschlagskraft zu entwickeln. Ein viertes Tor darf Frankfurt in Überzahl dennoch nicht kassieren. 

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Benjamin Heinrich  
13.01.2021