Schicksalsspiel in Portugal?

3 Gründe, warum das Aus in der Gruppe für den BVB fatal wäre

Der BVB kann sich eine Niederlage gegen Sporting kaum leisten. Foto: Getty Images
Der BVB kann sich eine Niederlage gegen Sporting kaum leisten. Foto: Getty Images

Im Verlauf einer Saison gibt es für jeden Klub Spiele, die den weiteren Gang der Dinge entscheidend prägen. Bisweilen scheint selbst das Wort 'Schicksalsspiel' nicht zu hoch gegriffen. Für Borussia Dortmund steht am Abend bei Sporting in Lissabon ein solches an.

Mit einem Sieg wären die Schwarzgelben sicher im Achtelfinale der Champions League, bei einem Remis reichte am abschließenden Gruppenspieltag ein Heimerfolg gegen das bereits eliminierte und nach vier Spieltagen allein punktlos dastehende Besiktas. Gewinnt Sporting 1:0, wäre der BVB auf die Schützenhilfe von Ajax angewiesen, müsste wegen des ausgeglichenen direkten Vergleichs im Torverhältnis aufholen. Bei einer Niederlage mit mehr als einem Tor Unterschied ist der BVB aber bereits am Mittwochabend aus der Königsklasse ausgeschieden, weil der direkte Vergleich Sporting selbst bei einer Niederlage gegen Ajax vorne sähe. Es wäre ein fataler Schlag, insbesondere aus drei Gründen. fussball.news nennt sie.

1. Finanzen

Dem BVB ist das Überwintern in Europa bereits sicher, allerdings gibt es eine klare Hierarchie der Wettbewerbe. Nirgends lässt sich das besser ablesen als auf dem Konto der Klubs. Für das Erreichen des Achtelfinals in der Champions League fließen 10 Millionen Euro, in der Europa League gibt es diese Summe erst, wenn man das Viertelfinale erreicht. Als Absteiger aus der Champions League müsste Dortmund zunächst aber sogar eine Playoff-Runde gegen einen Tabellenzweiten der Europa League überstehen. In Zeiten der weiterhin wütenden Corona-Krise, in der womöglich demnächst wieder massiv Zuschauereinnahmen wegbrechen könnten, kann sich der BVB kaum erlauben, die Millionen aus den UEFA-Töpfen der Champions League für vergleichsweise Peanuts in der Europa League einzutauschen. Immerhin hat der Klub am Sonntag bei der Mitgliederversammlung einen Verlust von 117 Millionen Euro in den Corona-Spielzeiten 2019/20 und '20/21 bekanntgegeben.

2. Prestige

Wer nicht mit dem schnöden Mammon argumentieren mag, wird nicht umhin kommen, einen gewaltigen Imageschaden festzustellen, sollte sich der BVB in einer alles andere als mörderischen Gruppe nicht durchsetzen können. Insbesondere eingedenk dessen, dass Dortmund mit sechs Punkten ideal in die Gruppenphase gestartet war und seinerzeit eine Achtelfinal-Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent auswies (fussball.news berichtete). Der BVB hat seit 2017/18 nicht mehr nach der Gruppenphase die Segel gestrichen, seit dem Jahr 2017 aber auch nur einmal das Viertelfinale erreicht. Der Status als Team aus der erweiterten Spitzengruppe des europäischen Fußballs würde bröckeln, wenn das Ding in Lissabon oder im Dezember schiefgeht. Dass der Klub damit auch an Attraktivität etwa für die vielen Top-Talente verlöre, um die die Schwarzgelben mit anderen Vereinen kämpft, liegt auf der Hand.

3. Trainerdiskussion

Sollte Marco Rose den BVB nicht in die K.o.-Phase der Königsklasse führen, würde es unweigerlich auch seine Position schwächen. Zuletzt gab es schon so manches Munkeln im Dortmunder Umfeld, gut platziert etwa bei Freddie Röckenhaus von der Süddeutschen Zeitung, der als intimer Kenner der Vereinsführung gilt. Es mutet seltsam an, da der BVB seine Spiele in der Bundesliga größtenteils erfolgreich bestreitet und nur einen Punkt hinter dem FC Bayern liegt, im DFB-Pokal vermutlich Titelfavorit ist und Rose dabei als neuer Chefcoach eine ungeheuer angespannte Personallage moderieren muss. Ein Ausscheiden in der Champions League wäre da ein erster mehr als nur gefühlter Makel in seiner Bilanz. Besonders ärgerlich wäre es, ginge es am Ende um die Tordifferenz: Dass der BVB in 180 Minuten gegen Ajax sieben Treffer schluckte, lässt sich nicht alleine mit der hanebüchenen Roten Karte gegen Mats Hummels im Heimspiel entschuldigen. Rose wäre dem Vorwurf ausgesetzt, seine Defensive bis dato nicht in den Griff bekommen zu haben.

Profile picture for user Lars Pollmann
Lars Pollmann  
24.11.2021