2:2 nach 2:0-Führung

Eintracht unerklärlich? 3 Gründe für den Last-Minute-Schock im Hessenderby

Der späte Ausgleichstreffer tat Eintracht Frankfurt weh.
Der späte Ausgleichstreffer tat Eintracht Frankfurt weh. Foto: Getty Images

Nach rund 60 guten Minuten hat Eintracht Frankfurt die Begegnung beim SV Darmstadt 98 völlig aus der Hand gegeben. Wie konnte es dazu kommen?

Es lief die 51. Minute im Hessenderby zwischen Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt. Die Gäste hatten einen Bilderbuch-Angriff über Donny van de Beek, Junior Dina Ebimbe, Sasa Kalajdzic und Ansgar Knauff gefahren und auf 2:0 erhöht. Es schien, als sei die Partie entschieden, das Tabellenschlusslicht geschlagen. Urplötzlich aber kippte die Partie, bereits im Gegenzug scheiterte Luca Pfeiffer nur knapp an Eintracht-Torhüter Kevin Trapp. Am Ende jubelten die Lilien nach Toren von Julian Justvan und Christoph Klarer noch über ein nicht mehr zu erwartendes Last-Minute-Remis. Was waren die Gründe?

1.) Eintracht macht grobe individuelle Fehler

Vor einer Woche noch wurde Trapp beim 1:0-Sieg in Leipzig nach einer starken Performance gelobt. Diesmal war es sein Patzer, der den Wendepunkt einleitete. Im Spielaufbau wollte Trapp den Ball auf den rechten Flügel schlagen, sein Zuspiel fing Fabian Nürnberger ab. Über Umwege gelangte der Ball zu Justvan, der den Schlussmann dann auch noch tunnelte. Beim späten Ausgleich sollte Tuta den Ball lang schlagen, doch er passte stattdessen in den Darmstädter Pressing-Block. Die Situation war dann nicht mehr zu verteidigen für die Restverteidigung der Eintracht. Trainer Dino Toppmöller kritisierte: "Beim zweiten Gegentor spielen wir dem Gegner genau in den Fuß. Das ist ein Wahnsinnsfehler. Das ärgert mich!" Es sind individuelle Fehler, die dem Anspruch des Vereins nicht gerecht werden. So etwas darf sich nicht häufen, wenn der Klub einen internationalen Wettbewerb erreichen möchte. Sportvorstand Markus Krösche sprach nicht ohne Grund von Naivität, Passivität und einfachen Fehler.

2.) Buta-Einwechslung für van de Beek greift nicht

Van de Beek wird noch etwas Zeit benötigen, bis er der Eintracht über 90 Minuten helfen kann. In den 63 Minuten auf dem Feld hatte die Leihgabe von Manchester United, wenngleich phasenweise noch mit Leerlauf, überzeugende Momente. Er hatte 32 Ballkontakte, 88 Prozent seiner Pässe kamen an, vor dem zwischenzeitlichen 2:0 war es ein geniales Zuspiel in die Tiefe, was den Treffer ermöglichte. Aurelio Buta kam für ihn in die Begegnung, dafür rückte Dina Ebimbe auf die van de Beek-Position. Und der Portugiese erlebte auf der rechten Außenbahnen einen rabenschwarzen Samstagnachmittag. Seine Passquote lag bei schwachen 44 Prozent, er sah vier Minuten nach seiner Einwechslung nach einem Frustfoul die Gelbe Karte. Toppmöller erklärte auf Nachfrage von fussball.news: "Das passiert im Fußball, dass du reinkommst und nicht ganz so glücklich agierst. In Leipzig hat er uns geholfen, den Sieg zu sichern. Da hat er es sehr gut gemacht. Gegen Gladbach war er mit seinem Tor mitentscheidend für den Sieg. Diesmal hatte Aurelio nicht ganz so glückliche Aktionen." Die weiteren Worte des Trainers lassen Raum für Spekulationen: "Wir werden es intern ansprechen. Ich weiß, woran es liegt. Ich werde es aber nicht öffentlich thematisieren." Möglicherweise hätte die Erfahrung von Kapitän Sebastian Rode dem Team mehr Stabilität verliehen. Der Rückkehrer wäre nach monatelanger Verletzungspause fit gewesen für eine halbe Stunde, wie er in den Katakomben verriet.

3.) Toppmöller fehlen aktuell die Wechseloptionen

Krösche ist es gelungen, der Mannschaft mit van de Beek und Kalajdzic Qualität hinzuzufügen. Der Mittelfeldspieler und Wandstürmer helfen dem Team auf Anhieb, sie geben dem Spiel der Eintracht neue Elemente. Doch vor allem ohne die drei Afrika-Cup-Fahrer Ellyes Skhiri, Fares Chaibi und Omar Marmoush wird es auf der Bank sehr dünn - und das könnte bis Anfang Februar so bleiben. Wenn dann mögliche Stabilisatoren wie Buta nicht zünden, bekommt das Team schnell Probleme. Nach den Auswechslungen von van de Beek und in den Schlussminuten Kalajdzic konnte Toppmöller nicht mehr nachlegen. Jens Petter Hauge, Hrvoje Smolcic und Jessic Ngankam sind allesamt Kandidaten, denen der Klub bei Angeboten keine Steine in den Weg legen würde. Sie haben den Entwicklungsschritt zur ernsthaften Alternative verpasst. Der Druck, auf dem Transfermarkt tätig zu werden, erhöht sich durch dieses Last-Minute-Remis. Die Eintracht benötigt vor allem noch Verstärkung für den Angriff, dem Team mangelt es weiterhin an Durchschlagskraft. Hugo Ekitike hat sich als der Topkandidat herauskristallisiert. Krösche sollte es bei den Verhandlungen mit Paris Saint-Germain vermeiden, auf einen Last-Minute-Deal zu warten. Bestensfalls hat sein Trainer bereits am Freitag gegen Mainz (20.30 Uhr) die Möglichkeit, einen neuen Stürmer einzusetzen. 

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Christopher Michel  
20.01.2024