Alarmzeichen

3 Erkenntnisse aus dem Eintracht-Remis in Köln

Die Eintracht kam bei der Auswärtspartie in Köln nur zu einem Unentschieden. Foto: Imago

Eintracht Frankfurt ist nach vier Spieltagen in der Bundesliga weiter ungeschlagen, bei zwei Siegen und zwei Remis. Doch das 1:1 beim 1. FC Köln offenbarte einige Baustellen im Team von Trainer Adi Hütter.

Die Eintracht spielte im ersten Durchgang beim 1. FC Köln durchaus dominant, ließ aber die ganz große Durchschlagskraft vermissen. In Führung gingen die Hessen durch ein Strafstoßtor kurz vor der Pause dennoch. Nach dem Seitenwechsel verpassten es die Frankfurter, den Sack zuzumachen, kassierten den unnötigen Ausgleich und bangten am Ende noch um den Punktgewinn. fussball.news skizziert Erkenntnisse aus der Partie.

1. Müdigkeit der Nationalspieler konnte nicht kompensiert werden

Defensivspieler Stefan Ilsanker sagte exemplarisch nach der Partie auf Sky: "Die letzten Minuten taten schon weh." Der Österreicher war in der Länderspielpause gleich dreifach für seine Nationalmannschaft gefordert, kam über die komplette mögliche Spielzeit von 270 Minuten zum Einsatz. Sein Trainer Adi Hütter ließ ihn auch beim 1. FC Köln durchspielen, ebenso wie Martin Hinteregger, der mit leichten Blessuren vom Nationalteam zurückkam. Auch Spielmacher Daichi Kamada wirkte nach zwei Spielen mit Japan (in der Elfenbeinküste und Kamerun) sichtlich überspielt, Steven Zuber (drei Einsätze mit der Schweiz) brachte ebenso wenig die Zielstrebigkeit auf den Platz wie zuletzt gegen die TSG Hoffenheim, er wurde mit zunehmender Spieldauer müder und schließlich ausgewechselt. Beim Effzeh kam die identische Eintracht-Startelf zum Einsatz, die vor der Länderspielpause noch Hoffenheim mit 2:1 bezwungen hatte. Hütter verzichtete auf Rotation und vertraute der siegreichen Elf. Aber die Länderspielstrapazen wurden nicht so einfach weggesteckt.

2. Fehlende Präzension

Die Passquote von 79 Prozent ist der schlechteste Wert der Saison für Eintracht Frankfurt. In den anderen drei Saisonspielen (gegen Bielefeld, in Berlin, gegen Hoffenheim) knackte die Elf von Adi Hütter stets die 80er-Marke. Im letzten Drittel spielten es die Hessen größtenteils zu ungenau, kamen auch deshalb nur bedingt zu klaren Torchancen. Einzig der Spielzug vor dem Elfmetertor war schön herausgespielt. Von 16 Torschüssen kamen nur deren vier auf das Tor der Kölner. Die Rheinländer hingegen brachten bei nur neun Torschüssen gar einen mehr auf den Kasten von Eintracht-Keeper Kevin Trapp. Sinnbildlich für die fehlende Präzision auch die Szene in der 50. Minute, als Daichi Kamada freistehend im Strafraum des Effzeh zum Abschluss kam, aber über den Ball trat. Der zweite Versuch des Japaners ging dann klar über das Tor von Timo Horn. Im Gegenzug war es dann mit einem Fehlpass der Frankfurter eine weitere Ungenauigkeit, die in der Folge zum Gegentor führte. 

3. Defensive Schwächen

Die große Stärke des 3-5-2-Systems der Eintracht ist die Variabilität in Defensive und Offensive. In der Vorwärtsbewegung kann die Hütter-Elf vermehrt auf Überzahl setzen, in der Rückwärtsbewegung rücken die Außenspieler mit zurück und es bildet sich eine Fünferkette. In Köln allerdings passte das nicht. Exemplarisch dafür war auch das Gegentor, bei dem auch Sky-Experte Dennis Aogo das Defensivverhalten von Rechtsaußen Almamy Toure kritisierte, der im Laufduell mit dem Torschützen Ondrej Duda nicht nachkam. Insgesamt erzwang das Team von Effzeh-Trainer Markus Gisdol häufiger  Überzahlsituationen durch schnelles Umschaltspiel. Teils reichte schon ein gut getimter Abschlag von Keeper Timo Horn, um die Hintermannschaft um Eintracht-Kapitän David Abraham in Verlegenheit zu bringen. Einzig Kapital konnten die Kölner daraus nicht schlagen.

Nächster Gegner: Bayern München

Alles in allem steht unter dem Strich für die Eintracht ein guter Saisonstart. Acht Punkte aus vier Spielen, Weiterkommen im DFB-Pokal und bislang ungeschlagen. Die Performance im Rheinland war aber durchaus ein erstes Alarmzeichen, mit Blick auf die Ambitionen, sich für den Europacup zu qualifizieren. Hoffnung macht allerdings, dass Neuzugänge wie Amin Younes und Ajdin Hrustic bald eine Verstärkung sein können und auch der verletzte Leistungsträger Filip Kostic im Laufe der Hinserie noch zurückkehren wird. Ebenso wird die Rückkehr von Innenverteidiger Evan N'Dicka die Optionen in der Defensive erhöhen. Dennoch: Der vierte Tabellenplatz ist nur eine Momentaufnahme, die Defizite aber liegen auf der Hand - und der nächste Gegner lautet Triple-Sieger Bayern München.

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Benjamin Heinrich  
19.10.2020