Transfer-Analyse

Irre Bundesliga? 12 Klubs haben bereits ihren besten Spieler verkauft!

Lewandowski und Haaland - 2 Topstars fehlen der Bundesliga. Foto: Getty
Lewandowski und Haaland - 2 Topstars fehlen der Bundesliga. Foto: Getty

Die Bundesliga und ihre Klubs wollen attraktiv sein und dadurch noch mehr Geld einnehmen, angefangen bei der internationalen TV-Vermarktung. Der einfachste Weg zum Ziel dürfte dabei sein, möglichst viele Topstars in der Liga aufzubieten. Doch in der Bundesliga handelt man zum Großteil gegenteilig, schon zwei Drittel der Klubs haben ihren wohl besten Spieler verkauft! Zwei Teams werden das voraussichtlich noch tun. Gibt es für dieses Vorgehen - sich Stars für die Liga wünschen, aber die Topstars dann verkaufen - eine vernünftige Erklärung?

Zunächst der Überblick:

Der deutsche Rekordmeister FC Bayern München verkaufte Weltfußballer Robert Lewandowski, der in der Regel 40 Pflichtspieltore plus X erzielt, an den FC Barcelona. Rund 50 Millionen Euro gelten als verdientes Schmerzensgeld für den Verlust des Torjägers.

Vizemeister Borussia Dortmund gab seinen Toptorjäger Erling Haaland an Manchester City ab - die festgeschriebene Ablösesumme betrug rund 75 Millionen Euro.

Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt transferierte in dieser Woche seinen überragenden linken Flügelspieler Filip Kostic nun doch an Juventus Turin für rund 15 Millionen Euro Ablöse.

Der 1. FC Köln ließ kurzfristig 20-Tore-Stürmer Anthony Modeste zu Borussia Dortmund ziehen.

Die nicht für den Europacup qualifizierte TSG Hoffenheim verkaufte Linksaußen David Raum an Pokalsieger RB Leipzig für satte 26 Millionen Euro Ablöse.

Beim VfL Wolfsburg kann man womöglich darüber streiten, ob Mittelfeldakteur Xaver Schlager bis dato der beste Spieler der Niedersachsen war. Jedenfalls war er enorm wichtig für das Team, was sein Marktwert von 27 Millionen Euro belegt. Xaver Schlager wechselte nun aber wie Raum zu RB Leipzig - für 12 Millionen Euro.

Borussia Mönchengladbach konnte dagegen den Vertrag mit Verteidiger Mathias Ginter nicht verlängern - der Weltmeister spielt nun für den Europa-League-Starter SC Freiburg.

Freiburg wiederum verlor Nationalspieler Nico Schlotterbeck an Borussia Dortmund. Immerhin gab es dafür 20 Millionen Euro Ablöse.

Der FSV Mainz 05 verkaufte im Grunde gleich seine beiden besten Spieler für gutes Geld, insgesamt rund 20 Millionen Euro:  Stürmer Jeremiah St. Juste spielt nun für Sporting Lissabon, Verteidiger Moussa Niakhate ist bei Nottingham Forrest unter Vertrag.

Auch Union Berlin machte richtig Kasse: Für 15-Tore-Stürmer Taiwo Awoniyi gab es rund 20 Millionen Euro. Awoniyi ist nun Teamkollege von Niakhate bei Nottingham.

Der FC Augsburg verlor ebenfalls seinen besten Torjäger (9 BL-Treffer 2021/22): Michael Gregoritsch. Der Österreicher wechselte ablösefrei zum SC Freiburg. Im Gegenzug kam Ergänzungsspieler Ermedin Demirovic zum FCA.

Der VfL Bochum gab seinen Innenverteidiger Armel Bella-Kotchap für 10 Millionen Euro nach Southampton ab. Der Deutsch-Kameruner hatte 2021/22 wesentlichen Anteil daran, dass der VfL die zweitbeste Abwehr zwischen den Teams von Tabellenplatz 9 bis 18 stellte.

Aufsteiger Schalke 04 konnte einen seiner besten Spieler, Verteidiger Ko Itakura, nicht fest von Manchester City verpflichten, weil Königsblau das Geld fehlte. Für den Leihspieler ging es zurück nach England - dann schnappte Gladbach zu.

Beim VfB Stuttgart könnte noch Topstürmer Sasa Kalajdzic an einen großen Klub verkauft werden - rund 20 bis 30 Millionen Euro würde die Ablöse wohl betragen.

Hertha BSC will seinen (ehemaligen) Kapitän und Relegationshelden Dedryck Boyata noch an einen anderen Klub transferieren. Allerdings nicht, weil er aus Hertha-Sicht ein bedeutender Spieler ist, sondern weil er aus Hertha-Sicht nun nicht mehr gebraucht wird. 

Bleiben drei Vereine in der Bundesliga, die ihre besten Spieler halten konnten: Aufsteiger Werder Bremen (Stürmer Füllkrug und Ducksch), Pokalsieger RB Leipzig (Offensivstar Christopher Nkunku verlängerte sogar seinen Vertrag) und Bayer Leverkusen (die Angreifer Wirtz und Schick verlängerten ebenfalls ihren Vertrag).

Fazit:

Manche Bundesligastars wechselten zu Klubs (oder Ligen), die sportlich höher einzuschätzen sind. Damit einhergend winkt in der Regel auch ein höheres Gehalt und mehr Beachtung, gegebenenfalls auch mehr Chancen auf Titel.

Umgekehrt mussten manche Vereine einfach auch Geld einnehmen, um Fehlbeträge aus der Coronakrise auszugleichen.

Andere Klubs wiederum sahen in einer hohen Ablöse für ihren Star die Chance, den Kader mit mehr Spielern in der Breite zu verstärken oder durch jüngere Spieler neu aufzustellen.

Oftmals sind es also nachvollziehbare Gründe, warum die Bundesligaklubs ihre besten Spieler verkauft haben - und dennoch passt diese Vorgehensweise nicht zum Credo der deutschen Klubs, über mehr Stars für die Liga international mehr Beachtung zu erhalten und mehr Geld einzuspielen.

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Daniel Michel  
09.08.2022