Bester Punkteschnitt des Jahrtausends

1000 Tage: Die Eintracht-Bilanz von Adi Hütter

Hat allen Grund zur Freude: Adi Hütter ist mit seiner Eintracht auf Erfolgskurs. Foto: Imago

Seit dem Sommer 2018 ist Adi Hütter Trainer von Eintracht Frankfurt. Der Österreicher übernahm mit dem Erbe von Pokalsiegertrainer Niko Kovac kein einfaches. Mittlerweile ist der 51-Jährige 1000 Tage im Amt und hat seine eigene Erfolgsgeschichte geschrieben.

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Sein Einstand begann denkbar ungünstig. Pokal-Aus in der 1. Runde beim Regionalligisten SSV Ulm und eine Klatsche im Supercup gegen den FC Bayern München mit Ex-Trainer Niko Kovac. Doch Adi Hütter zeigte Nehmerqualitäten, schwamm sich frei, führte Eintracht Frankfurt erst durch Europa und dann wieder nach Europa. Das absolute Highlight: Das Europa League-Halbfinale an der Stamford Bridge gegen den FC Chelsea, wo die Hessen sich im Rückspiel erst im Elfmeterschießen geschlagen geben mussten. In jener Saison 2018/19 formte Hütter auch die "Büffelherde", ließ mit Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic im Laufe der Saison gleich drei Angreifer gemeinsam los. Die Folge: 60 Tore in der Bundesliga, das gab es zu dem Zeitpunkt in Frankfurt seit der Saison 1991/92 nicht mehr.

Nach diversen Krisen zur besten Saison aller Zeiten?

Immer wieder meisterte der Vorarlberger sportliche Krisen. Sei es der Umbruch im Sommer 2019, als jene "Büffelherde" die Eintracht komplett verließ, oder das Ende der Hinrunde 2019/20, als die Frankfurter sieben Niederlagen in der Bundesliga am Stück kassierten, mit einer 1:2-Niederlage beim SC Paderborn kurz vor Weihnachten als Tiefpunkt. Hütter bekam auch dort, nicht zuletzt durch das Vertrauen von Sportvorstand Fredi Bobic, nach der Winterpause wieder die Kurve und lernte aus seinen Fehlern zu lernen. Am Ende sprang ein versöhnlicher neunter Platz heraus. 1000 Tage ist Hütter mittlerweile im Amt, in diesem Zeitraum standen beim FC Schalke 04 bereits sieben Coaches an der Seitenlinie. Nur Florian Kohfeldt (Werder Bremen) und Christian Streich (SC Freiburg) sind in der Bundesliga länger im Amt. Und selbst die Tatsache, dass die Eintracht nach zwei Jahren Europa League in dieser Saison erstmals unter Hütter ohne europäischen Wettbewerb auskommen musste, machte sich der ehemalige Trainer der Young Boys Bern zunutze, entwickelte in Ruhe ein Team, das nach 26 Spieltagen auf dem vierten Rang steht und nicht nur von der Europa League, sondern sogar von der Champions League träumen darf. Die 47 Punkte nach 26 Spieltagen sind historischer Bestwert der Eintracht. Kein Trainer holte in diesem Zeitraum jemals mehr Punkte in der Bundesliga mit den Frankfurtern. 

Angriff auf "Stepi", Funkel und Ribbeck

Hütter ist mit 1,65 Punkten pro Spiel schon unter den besten Eintracht-Trainern aller Zeiten. Nur fünf Trainer, die mehr als 15 Spiele an der Seitenlinie standen, holten mehr Punkte zu Bundesligazeiten als der Österreicher. Die 1,65 Punkte sind der beste Wert dieses Jahrtausends, der beste seit Dragoslav Stepanovic, der zwischen 1991 und 1993 einen Punkteschnitt von 1,81 vorweisen konnte. Auf Nachfrage von fussball.news richtete Hütter vor einigen Wochen schon eine persönliche Kampfansage an den Serben: "Ich hoffe, dass ich dich noch übertrumpfen kann. Du weißt: Lebbe geht weider!" Eine Hommage an "Stepis" Worte nach dem verlorenen Kampf um die Deutsche Meisterschaft der Eintracht 1992. Die 133 Pflichtspiele, die Hütter bei der Eintracht am Stück an der Seitenlinie stand, werden übrigens nur von Friedhelm Funkel (2004 bis 2009, 194 Spiele) und Erich Ribbeck (1978 bis 1983, 193 Spiele) übertrumpft. Beide Marken könnte Hütter (Vertrag bis 2023) noch knacken.

Viele Tore, ein Rekordspieler und ein Kurzarbeiter

In 133 Spielen unter Hütter fielen 450 Tore. 249 für, 201 gegen die Eintracht. Die Bilanz weist 63 Siege, 30 Remis und 40 Niederlagen auf. Drei Spieler schafften es in der Ära Hütter auf über 100 Einsätze. An der Spitze steht Filip Kostic (119 Spiele), in Sachen Einsatzzeiten Hütters absoluter Lieblingsspieler, gefolgt von Kevin Trapp (107) und Makoto Hasebe (105). Insgesamt setzte der 51-Jährige bislang 45 Spieler ein, Branimir Hrgota war dabei mit vier Einsatzminuten der Kurzarbeiter schlechthin. Hütters höchster Sieg: Ein 7:1-Heimerfolg gegen Fortuna Düsseldorf im Oktober 2018, die höchste Niederlage war ein 1:6 bei Bayer Leverkusen im Mai 2019. Die meisten Tore unter Hütter schoss bislang Andre Silva (38), gefolgt von Luka Jovic (30). Die meisten Vorlagen lieferten Filip Kostic (43) und Daichi Kamada (21). Kostic ist auch Hütters Topscorer mit 69 Torbeteiligungen in 1000 Tagen unter Adi Hütter, dessen Erfolgsgeschichte mit der Eintracht nach 1000 Tagen noch längst nich am Ende zu sein scheint. 

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Benjamin Heinrich  
27.03.2021

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